Dr. Christian A. Caroli – د. كْرِسْتْيَان أ. كَارُلِي

Ptolemaios I. Soter

Caroli: Ptolemaios I. Soter (Coverbild)

Christian A. Caroli:

Ptolemaios I. Soter – Herrscher zweier Kulturen
 

Konstanz 2007 (badawi - artes afro arabica)
 

Umfang: XIV + 414 Seiten • Format: 24 x 17 cm • ISBN 13: 978-3-938828-05-2

Preis (bis 10/2015): EUR 59,99 (inkl. 7% MwSt.) • Preis (ab 11/2015): EUR 29,95 (inkl. 7% MwSt.)

 

 

F) Ptolemaios I. und der Sarapis-Kult

I.) Die Einführung des Sarapis-Kultes

a) Die Stiftungsgeschichte bei Tacitus und Plutarch

2.) Das Alter der Geschichte und ihrer Elemente

Die klassischen Quellen stammen allerdings beide erst aus der Kaiserzeit. Tacitus bezeichnet diese Version als haec de origine et advectu dei celeberrima (Tac. hist. 4,84,4), ärgert sich zugleich aber auch, daß er in bezug auf die Ursprünge des Kultes auf keine schriftliche Vorlage zurückgreifen könne (Tac. hist. 4,83,1).4 So lassen sich in seiner Version einige eindeutig kaiserzeitliche Elemente erkennen. Hierzu gehört, daß der Gott als junger Mann mit Flammen erscheint, was dem Bild der Theurgie in der Kaiserzeit entspricht, weswegen die Geschichte in dieser Ausformung kaum in der Ptolemaierzeit entstanden sein kann.5 Dies schließt allerdings nicht unbedingt aus, daß die Geschichte von ihrer Grundaussage her schon wesentlich älter sein könnte, da gerade in dem Kontext der Erzählung diese Geschichte in eine Form umgewandelt worden sein könnte, die die Römer besser ansprach als die ursprüngliche, indem typische Elemente der damaligen Zeit eingefügt wurden. Denn die Geschichte wurde gemäß Tacitus Vespasian anläßlich seines Aufenthaltes in Ägypten (69 n. Chr.) erzählt (Tac. hist. 4,81-82). Dort habe er nach mehreren Wundern auch vorgehabt, seinen Antritt der Herrschaft über das Römische Reich durch ein Vorzeichen in Form eines Winkes im Sarapis-Tempel zu Alexandreia zu bekräftigen, was auch geschehen sei (Tac. hist. 4,82).6 Auch könnte die Erwähnung, daß es keine schriftliche Vorlage gebe, aufgrund der Formulierung nostris auctoribus in dem Sinne gedeutet werden, daß es bis zu diesem Zeitpunkt lediglich keine lateinische Niederschrift des Textes gegeben habe. In diesem Sinne behauptet Tacitus, auch wenn kein Ägyptenaufenthalt von ihm überliefert ist, daß er diese Version von ägyptischen Priestern habe (Tac. hist. 4,83,1), wobei es sich durchaus um eine literarische Quelle handeln könnte.7 Auch erinnert die Form der Geschichte zu einem gewissen Teil an die klassische ägyptische Königsnovelle, in der eine Gottheit bei einem König zu erscheinen und sich über irgendeine bestimmte Vernachlässigung zu beklagen pflegte, woraufhin der König versuchte, dem Mißstand Abhilfe zu verschaffen, wobei aber eine Variante darin bestehen konnte, daß die Gottheit schlichtweg einen bestimmten Dienst forderte und dafür seine außerordentliche Gunst dem Betroffenen gegenüber versprach. Zugleich kann die für die Gründungsgeschichte elementare Form der Traumerscheinung für Sarapis seit dem 3. Jh. belegt werden.8 So soll gemäß einem Papyrus des Zenon-Archives aus dem Jahre 257 ein gewisser Zoilos von Aspendos Sarapis einen Tempel errichtet haben, nachdem dieser ihm im Traume erschienen war (SB 6713 = P. Cair. Zen. 59034 = PSI 435), und gemäß einer Inschrift auf Delos von 200 die Errichtung des dortigen Tempels für den zwei Generationen zuvor begründeten Kult auf der Insel aufgrund eines im Traume erfolgten Befehls des Gottes geschehen sein (IG XI,1299,1-28 = CE 1,1-28).9 Bei der Version des Plutarch hingegen wird als Indiz für ein höheres Alter der Geschichte gern die Tatsache angeführt, daß er die Form Sarapis statt der zu seiner Zeit üblicheren Form Serapis benutzt.10 Hier könnte allerdings auch ein absichtlicher Archaismus vorliegen, da auch damals wohl zumindest den gebildeteren Zeitgenossen die ältere Namensform bekannt gewesen sein dürfte.

Auch zeichnen sich die beiden zeitlich nicht weit auseinander liegenden Versionen des Tacitus und des Plutarch durch eine Einigkeit in den wesentlichen Punkten aus, was wiederum vermuten läßt, daß beide ein gemeinsames literarisches Modell besaßen, das die wesentlichen Elemente dieser Geschichte bestimmte, aber aufgrund der Bemerkung des Tacitus außerhalb der lateinischen Literatur gestanden haben muß, so daß es im griechischen Bereich beheimatet gewesen sein muß und anscheinend von Priestern tradiert wurde. Denn da beide Versionen leichte Differenzen zueinander aufweisen, sich aber nicht grundsätzlich voneinander unterscheiden, sondern eher reflektierende Varianten darstellen, muß vermutet werden, daß keiner vom anderen abgeschrieben hat, sondern beide unabhängig voneinander auf einer direkten oder indirekten gemeinsamen Vorlage basieren.11 In dieser Beziehung würde sich natürlich an erster Stelle Manethon anbieten, der in der Geschichte Plutarchs seinen Beitrag bei der Einführung des Kultes leistete, wofür eine im Sarapieion von Karthago aufgestellte Büste mit der Beschriftung Μανεθών (CIL 8,1007) als weiteres Indiz dienen könnte.12 Andererseits steht die Geschichte bei Tacitus in der Nähe zu den Berichten der ägyptischen Version des Ursprungs der Juden von den Ägyptern und der Gründung Jerusalems durch Mose, die im Rahmen des Krieges des Titus gegen die Juden behandelt werden, wie diese Geschichten und die Ursprungsgeschichte des Sarapis-Kultes sich durch den gleichen Stil auszeichnen. Daher scheinen sie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit von derselben Quelle herzustammen, wofür eine Person aus dem Umkreise des Apion, wenn nicht dieser selber, in Frage käme, der zugleich aber auch eine indirekte Quelle für die Fragmente Manethons darstellt.13 Schließlich könnten aber auch die Sarapis-Priester von Alexandreia diese Version in Umlauf gebracht haben, um so ihren Kult ehrwürdiger erscheinen zu lassen.14

 

 

Anmerkungen:

4 Clauss (2003), p. 87; s.a. Schmidt (1909)a/b, p. 53; Fraser (1967), p. 24; Stambaugh (1972), pp. 6-7.

5 Borgeaud / Volokhine (2000), p. 45.

6 Borgeaud / Volokhine (2000), p. 42.

7 Borgeaud / Volokhine (2000), pp. 42-43; s.a. Schmidt (1909)a/b, p. 53.

8 Borgeaud / Volokhine (2000), pp. 49 & 51-53; s.a. Koenen (1985), pp. 187-188.

9 Stambaugh (1972), pp. 8-9.

10 Borgeaud / Volokhine (2000), p. 40.

11 Lévy (1910), pp. 178-181; s.a. Borgeaud / Volokhine (2000), p. 53.

12 Lévy (1910), pp. 194-195; s.a. Wilcken (1927/57), Bd. I, p. 83.

13 Borgeaud / Volokhine (2000), pp. 43-45; s.a. Lévy (1910), pp. 186-188; Fauth (1976), p. 185.

14 Schmidt (1909)a/b, p. 54.

 

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