Dr. Christian A. Caroli – د. كْرِسْتْيَان أ. كَارُلِي

Ptolemaios I. Soter

Caroli: Ptolemaios I. Soter (Coverbild)

Christian A. Caroli:

Ptolemaios I. Soter – Herrscher zweier Kulturen
 

Konstanz 2007 (badawi - artes afro arabica)
 

Umfang: XIV + 414 Seiten • Format: 24 x 17 cm • ISBN 13: 978-3-938828-05-2

Preis (bis 10/2015): EUR 59,99 (inkl. 7% MwSt.) • Preis (ab 11/2015): EUR 29,95 (inkl. 7% MwSt.)

 

 

B) Rahmenhandlung und Außenpolitik einschließlich der Verwaltung der Provinzen

II.) Οἱ διάδοχοι – Die Nachfolger

c) Der Kampf gegen Antigonos Monophthalmos

4.) Die Offensiven des Antigonos Monophthalmos und des Demetrios Poliorketes in den folgenden Jahren

Die nächsten Jahre wurden v.a. durch eine Großoffensive des Demetrios Poliorketes im Namen seines Vaters gegen die westlichen Kontrahenten Kassandros und Ptolemaios geprägt, in deren Rahmen Demetrios zunächst versucht hatte den ersten beider Gegner aus Griechenland zu verdrängen, wozu die Einnahme Athens im Jahre 307 zählte. 306 rückte schließlich die Insel Zypern ins Visier dieser Großoffensive (Diod. 20,46,5), da diese Insel einerseits aus strategischer Sicht direkt vor der Küste des Gebietes des Antigonos lag und sich durch seine auch militärisch verwertbaren Ressourcen auszeichnete, wie sie auch für das Reich des Ptolemaios von gewichtiger strategischer Bedeutung war, so daß die Eroberung der Insel einen bedeutenden Schritt zu der des Ptolemaierreiches bedeuten würde.261 Zugleich hatte Demetrios nach seiner Eroberung Athens für den Bau von Kriegsschiffen gesorgt (IG II/III2,1492,120-122 & Diod. 20,46,4 & Plut. Demetr. 10,1), so daß er nun über eine schlagkräftige Flotte verfügte.262

So zog Demetrios zunächst in Kilikien 15.000 Infanteristen, 400 Kavalleristen, über 110 Trieren und Tetreren, 53 Penteren, Hexeren und Hepteren und etliche Frachtschiffe zusammen, landete bei Karpasia auf der gleichnamigen Halbinsel Zyperns (Diod. 20,46,6-47,2; s.a. Polyain. 4,7,7) und erstürmte Urania und Karpasia, um dann zu Lande gegen Salamis vorzurücken (Diod. 20,47,2). Menelaos, der Bruder des Ptolemaios, zog als Stratege der Insel die ihm zur Verfügung stehenden Truppen von 12.000 Infanteristen und 800 Kavalleristen zusammen und Demetrios entgegen, so daß etwa 40 Stadien von Salamis entfernt beide Heere aufeinandertrafen. Hierbei mußte Menelaos eine eindeutige Niederlage hinnehmen, indem 1.000 Soldaten fielen und 3.000 in Gefangenschaft gerieten (Diod. 20,47,3; s.a. Plut. Demetr. 15,2). Daraufhin zog sich Menelaos nach Salamis zurück, verschanzte sich dort und ersuchte Ptolemaios um Entsatz (Diod. 20,47,7-8), während Demetrios die Stadt belagerte (Diod. 20,48 & Polyain. 4,7,7).263

Ptolemaios landete in Paphos, zog dort die Schiffe der zypriotischen Städte zusammen und fuhr mit 140 bzw. 150 Tetreren und Penteren (s.a. Polyain. 4,7,7), 200 Transportschiffen und 10.000 Infanteristen weiter nach Kition (Diod. 20,49,1-2; s.a. Plut. Demetr. 15,2 & 16,1). Vor Salamis versuchte er, die 60 im dortigen Hafen liegenden Schiffe des Menelaos mit seiner Flotte auf offener See zu vereinigen und dann seinen Gegner mittels einer Übermacht zu erdrücken, was aber durch Demetrios vereitelt wurde, der die Küste aufmerksam bewachte (Diod. 20,49,3-5 & Plut. Demetr. 16,1). Daraufhin versuchte der Lagide mit der Flotte in den Hafen von Salamis zu gelangen, um dann dort mit seiner Gesamtmacht um die Stadt zu kämpfen (Diod. 20,49,6). Allerdings hatte Demetrios bei Tagesanbruch schon eine Flotte von 108 (Diod. 20,47,1) bzw. 180 (Plut. Demetr. 16,2) Kriegsschiffen in Schlachtordnung aufgestellt (Diod. 20,50,1-4), wobei er mit Hepteren als größter Einheit gegenüber Penteren über die stärkeren Schiffe verfügte.264 So kam es zur „bedeutendst[en] Seeschlacht der Diadochenkriege“265 (Diod. 20,50-52 & Iust. 15,2,6 & Plut. Demetr. 16,1-2 & Polyain. 4,7,7). Demetrios schien hierbei die für den Phalanxkampf entworfene und dort sehr wirkungsvolle Taktik der schiefen Schlachtordnung des Epameinondas erstmals bei einer Seeschlacht angewendet zu haben, indem er mit verstärktem linken Flügel taktierte (s. Diod. 20,50,3).266 In der Schlacht befehligten die beiden Kontrahenten jeweils ihren linken Flügel (Diod. 20,50,3 & 6) und bekamen dort jeweils die Oberhand (Diod. 20,52,2-3), am Ende aber konnte die qualitativ überlegene Flotte des Demetrios der des Ptolemaios eine vernichtende Niederlage beibringen, indem der Lagide die Mehrheit seiner Kriegsschiffe, nämlich 80, und die Hälfte der Transportschiffe, nämlich 100, verlor (Diod. 20,52,6) bzw. sogar nur mit acht Kriegsschiffen entkommen konnte (Plut. Demetr. 16,2). Außerdem nahm Demetrios auf den Transportschiffen noch ca. 8.000 Söldner seines Gegners gefangen (Diod. 20,52,6). Die 60 Kriegsschiffe der Flotte des Menelaos konnten hierbei keine Entscheidung mehr bewirken, da sie zwar die von zehn gegnerischen Schiffen gebildete Sperre durchbrechen konnten, aber zu spät das Schlachtfeld erreichten, so daß sie unverrichteter Dinge wieder in den Hafen zurückkehrten (Diod. 20,52,5). Ptolemaios zog sich schließlich nach Kition zurück (Diod. 20,52,3), während Menelaos die Stadt Salamis und die vor Ort befindliche Flotte Demetrios aushändigte (Plut. Demetr. 16,4).267

Auch wenn Demetrios nach dieser Seeschlacht außer Salamis noch keine der Residenzstätten der Könige Zyperns kontrollierte, so verfügte Ptolemaios nun für die nächste Zeit über keine schlagkräftige Flotte mehr, die es mit der gegnerischen hätte aufnehmen können, während gerade eine solche notwendig gewesen wäre, um Zypern zu kontrollieren.268 Auch ein eventueller Flottenbau unter Ausnutzung der reichen Holzvorkommen der Insel hätte sich als eher nutzlos erweisen müssen, da Demetrios bis zur Fertigstellung durch den Einsatz seiner eigenen Flotte alle Häfen der Insel blockiert hätte.269 Auch bestand die potentielle Gefahr, daß Antigonos unter Ausnutzung der momentanen Lage den alles entscheidenden Angriff gegen Ägypten hätte wagen können. Daher zog Ptolemaios es vor, von Kition nach Ägypten zurückzukehren, so daß Demetrios in der Lage war, Zypern in kürzester Zeit unter seine Kontrolle zu bringen (s.a. IG XII,5,444B,126 = FGrH 239 (Marmor Parium) B21) und die ptolemaiischen Besatzungstruppen von etwa 16.000 Infanteristen und 600 Kavalleristen in seine Armee einzureihen (Diod. 20,53,1). Hierbei fielen ihm auch Menelaos und Leontiskos, der Sohn des Ptolemaios und der Thais, in die Hände, die er jedoch später wieder zu Ptolemaios zurückschickte (Iust. 15,2,7-8).270 Demetrios übernahm somit im östlichen Mittelmeerraum die Vormacht zur See, während die ptolemaiische Flotte für die nächsten Jahre am Boden lag, wie der Lagide auch über keine ausreichende Basis für eine effektive Flottenpolitik mehr verfügte, indem sich nun Zypern und Koilesyrien, die allein über die dementsprechenden Vorräte an Holz und erfahrenen Seeleuten verfügten, in Feindeshand befanden.271

In der Folge dieses Sieges nahm Antigonos Monophthalmos, der sich nun stark genug für diesen Anspruch fühlte, die Königswürde an und stand sie auch seinem Sohn zu, woraufhin auch Ptolemaios, Seleukos, Kassandros und Lysimachos den Königstitel annahmen (s. in C) IV.) a) 2.) Chronologie und Zeitrechnung). Somit hörte das Alexanderreich nun auch formal auf, zu existieren.272

Zugleich versuchte Antigonos die vernichtende Niederlage seines Gegners im Kampf um Zypern im Sinne einer offensiven Politik der Erringung der Vorherrschaft des ehemaligen Alexanderreiches sinnvoll auszunutzen, indem er Ende Oktober 306 einen Invasionsversuch in das ptolemaiische Kernland Ägypten unternahm (Diod. 20,73,1 & Plut. Demetr. 19,1).273 Dieser Zug erfuhr in Erinnerung an das Fiasko des Perdikkas und dessen anschließende Ermordung durch die Hände von dessen eigenen Offizieren eine stark durchdachte Planung und eine intensive technische Vorbereitung. Demgemäß sollten ein Landheer von 80.000 Infanteristen, 8.000 Kavalleristen und 83 Elephanten unter der Leitung des Antigonos und eine Flotte von 150 Kriegs- und 100 Transportschiffen unter dem Befehl des Demetrios gemeinsam gegen Alexandreia vorrücken und so Ptolemaios in die Zange nehmen (Diod. 20,73,2 & Plut. Demetr. 19,1; s.a. Paus. 1,6,6).274

Die technischen Vorbereitungen dauerten jedoch so lange an, daß schon die Zeit der Herbststürme einsetzte, wie auch die Seeleute schon vor dem Aufbruch Bedenken äußerten, da bis zum Untergang der Pleiaden, zu dessen Zeitpunkt die Schiffahrt zur See aufgrund von Erfahrungswerten traditionell eingestellt wurde, nur noch ein Zeitraum von acht Tagen lag (Diod. 20,73,3). Dennoch war Antigonos gezwungen, den Angriff noch zu versuchen, wenn er noch die Schwächung seines Gegners durch dessen Niederlage vor Salamis ausnutzen wollte. So sollten die einsetzenden Herbststürme der Flotte schon vor ihrer Ankunft in Ägypten erhebliche Verluste beibringen (Diod. 20,74), wie sie auch aufgrund eines gegnerischen Abwehrmanövers dann nicht in der Lage war, im Nildelta zu landen und einen Brückenkopf zu bilden, während ein weiterer Landungsversuch an der Mündung des Nilarmes von Darmiette daran scheiterte, daß während dieser Verlegungsaktion bei Nacht etliche Schiffe vom Kurs abkamen und erst wieder gesucht werden mußten, so daß die ptolemaiischen Truppen ausreichend Zeit für Gegenmaßnahmen erhielten (Diod. 20,75,5-76,4; s.a. Plut. Demetr. 19,2).275

Aber auch der Landangriff scheiterte aus technischen Gründen. Denn die augenscheinliche Strategie des Vorrückens gegen Alexandreia auf dem direkten Wege konnte von einem feindlichen Landheer aufgrund der vielen Wasserläufe des Nildeltas, das außerdem von Osten her in seiner ganzen Breite überwunden werden mußte, kaum bewerkstelligt werden, wie auch alle späteren Angriffe auf dem Landwege gegen Alexandreia in hellenistischer Zeit über Memphis erfolgen sollten.276 Hinzu kam, daß sich Antigonos für seine Invasion auch noch eine Jahreszeit ausgesucht hatte, in der der Nilwasserstand im Delta von der Flut her immer noch recht hoch war.277 Außerdem brachte die immense Heeresgröße die Notwendigkeit eines dementsprechend großen und damit schwerfälligen Trosses mit sich, der die Manövrierfähigkeit, aber auch die Geschwindigkeit des Vorstoßes stark beeinträchtigte. Dem konnte Antigonos nur dadurch entgegentreten, daß seine Soldaten den Proviant von zehn Tagen bei sich trugen (Diod. 20,73,3), in Ägypten aber dann aufgrund des verschiedenen Tempos vom Troß mit dem restlichen Proviant abgeschnitten waren, der auch lediglich für drei Wochen reichte, so daß eine baldige Rückkehr notwendig wurde, wenn der Zug steckenblieb (Diod. 20,76,4-6).278 Der Zug wurde aber schon beim Pelusischen Nilarm von einer von Ptolemaios errichteten Sperre gestoppt, wobei der Lagide noch zusätzlich eine seiner stärksten Waffen einsetzte, indem er einige seiner Leute in die Nähe des feindlichen Lagers schickte und der Überlieferung nach jedem überlaufenden Offizier ein Talent und jedem gemeinen Soldaten zwei Minen versprach, was für viele der Soldaten des Invasors ein überzeugendes Argument zum Seitenwechsel darstellte (Diod. 20,75,1-2).279 So mußte Antigonos unverrichteter Dinge den Rückzug antreten, wobei Ptolemaios das gegnerische Heer sich in aller Ruhe zurückziehen ließ. „Es sollte fast 1½ Jahrhunderte dauern, bis ein aus dem Norden kommender Feind wieder ägyptischen Boden betreten würde.“280

Das nächste Ziel einer gegen Ptolemaios ausgerichteten Politik bestand für Demetrios in der Eroberung von Rhodos. Diese Insel hatte sich schon recht bald nach dem Tode Alexanders des Großen unter der Ausnutzung der damaligen Wirren der von diesem dorthin verlegten makedonischen Besatzung entledigen können (Diod. 18,8,1) und in der Regel eine Politik der Freundschaft gegenüber allen Diadochen verfolgt, um durch den Handel auf neutraler Basis während dieser Phase zu Wohlstand zu gelangen (Diod. 20,81,2-3). Allein während des Dritten Diadochenkrieges hatte sie Antigonos die Produktion von Kriegsschiffen erlaubt (Diod. 19,58,5 & 19,61,5 & 19,62,7 & 19,64,5 & 19,77,3).281 Ein spezieller Bündnisvertrag mit Ptolemaios,282 der über das allgemeine Freundschaftsverhältnis und die allgemeine κοινὴ εἰρήνη (s. Diod. 20,46,6) hinausging, läßt sich vor den Ereignissen von 306 nicht belegen.283 Dennoch lagen die natürlichen Interessen aufgrund der Handelsverbindungen und der Handelspotentiale bei Ägypten.284 Andersherum bildete Rhodos ein wichtiges Element der ptolemaiischen Finanzpolitik und unterstützte deswegen selbst bei formaler Neutralität die ptolemaiische Wirtschaftspolitik und damit die Finanzen des Ptolemaios.285 Denn praktisch alle damals gängigen Seehandelsrouten von Ägypten, Zypern und Phoinikien zur Ägäis und dem Schwarzen Meer verliefen über Rhodos.286 Da Ptolemaios seit dem Verlust von Koilesyrien und Zypern auf den Import von Holz und vollwertigen Söldnern, die es beide nicht in Ägypten gab, angewiesen war, stellte Rhodos nun für Antigonos und Demetrios ein strategisches Ziel dar, um Ägypten nach dem erfolglosen Invasionsversuch zu isolieren und von seinem strategischen Nachschub abzuschneiden.287 Außerdem stellte die Insel nach der Eroberung Zyperns das letzte wirkliche Hindernis gegen eine Kontrolle des östlichen Mittelmeerraumes dar.288 Schließlich hatten sich die Rhodier geweigert, sich am Unternehmen des Demetrios gegen Zypern zu beteiligen (Diod. 20,46,6 & 20,82,1). So beauftragte Antigonos wahrscheinlich 305 nach dem Scheitern des Ägyptenfeldzuges einen seiner Offiziere, sämtliche zwischen Rhodos und Alexandreia verkehrenden Schiffe aufzubringen und auszurauben, woraufhin der betreffende Offizier aus Rhodos vertrieben wurde, was von Antigonos in dem Sinne von ἀδίκου καθῆρχθαι πολέμου interpretiert wurde (Diod. 20,82,2).289

Als die Rhodier, die schon grundsätzlich zur Aufgabe bereit gewesen waren, auf die Forderung des Demetrios nach der Stellung von 100 der vornehmsten Bürger als Geiseln und nach einem freien Zugang für seine Flotte nicht eingingen, ging dieser zur Belagerung über (Diod. 20,82,3-4), für die er 200 Kriegsschiffe, 170 Lastschiffe und 40.000 Soldaten (Diod. 20,82,4) mitsamt schwerem Belagerungsgerät (Diod. 20,91,2-8 & Plut. Demetr. 21; s.a. Vitr. 10,16,4) gegen eine Stadt von 6.000 Bürgern, 1.000 Paröken und etlichen freiwillig bei der Verteidigung mithelfenden Sklaven einsetzte (Diod. 20,82,2-3). Hierbei entbrannten harte und z.T. äußerst verlustreiche Kämpfe um die Stadt (Diod. 20,86,1-88,8 & 20,94-98), bei denen Demetrios trotz seiner erdrückenden Übermacht keine entscheidende Bresche in die Stadtmauer schlagen konnte (Diod. 20,93,2 & 20,97,4).290 Unterstützt wurde die Stadt bei ihren Bemühungen auch von den durch Gesandtschaften zu Hilfe gerufenen Gegnern des Demetrios, nämlich Ptolemaios, Kassandros und Lysimachos (Diod. 20,84,1). Ptolemaios schickte hierbei zuerst 500 Söldner unter der Führung des Milesiers Athenagoras (Diod. 20,88,9 & 20,94,3), das zweite Mal 300.000 Artaben Getreide (Diod. 20,96,1-2) und das dritte Mal Lebensmittel und 1.500 Soldaten (Diod. 20,98,1), während eine vierte bereits zugesagte Lieferung von Getreide und 4.000 Soldaten nicht mehr entsandt werden mußte, da die Belagerung ein Ende gefunden hatte (Diod. 20,99,2).291

Nach einem Jahr mußte Demetrios die Belagerung, die, wie die geglückten gegnerischen Hilfslieferungen zeigen, anscheinend niemals vollständig war, schließlich aufgeben, zumal da Kassandros in Griechenland wieder auf dem Vormarsch war, so daß dort Handlungsbedarf bestand. Es wurde ein Waffenstillstand geschlossen, gemäß dem Rhodos die 100 Geisel zu stellen und ein Bündnis mit Antigonos einzugehen hatte, das jedoch jegliche Teilnahme an einem Krieg gegen Ptolemaios ausschloß, während die Stadt autonom blieb und keine Besatzung aufzunehmen hatte (Diod. 20,99,3; s.a. Plut. Demetr. 22,4).292 Die moralischen Sieger waren dabei die Stadt Rhodos und Ptolemaios, indem erstere frei blieb und indem Antigonos und Demetrios auf Rhodos ihre Machtstellung gegenüber Ptolemaios nicht hatten ausbauen können. Zugleich hatten sich hiermit Antigonos und Demetrios den Ruf von Versklavern der griechischen Poleis erworben, während Ptolemaios als der Wahrer ihrer Freiheit galt.293 Die Rhodier errichteten aus Dank mittels der Erlöse aus dem Verkauf der von Demetrios zurückgelassenen Belagerungsmaschinen den berühmten Koloß von 70 m Höhe, dessen Trümmer noch eine Attraktion darstellten (Plin. nat. 34,41) und führten einen Kult für Ptolemaios ein (s. Diod. 20,100,3-4).294

Rhodos sollte nach diesen Ereignissen noch weiterhin eine für Ägypten wichtige Handelsmetropole bleiben und sogar noch seine Blüte als eine der wichtigsten Umschlagsplätze des Handels der hellenistischen Welt erleben, wobei die freundschaftlichen Beziehungen zu den Ptolemaiern erhalten blieben. So wurden in Alexandreia über 80.000 Amphorenhenkel von mindestens 40.000 Amphoren aus Rhodos gefunden, was auf die Wichtigkeit dieser Handelsbeziehung schließen läßt, da danach erst die Amphoren aus Knidos mit einer Zahl von 6.860 folgen. Zugleich bezog Rhodos auch direkt zum Leben notwendige Waren aus Alexandreia (Diod. 20,81,4).295

 

 

Anmerkungen:

261 Geier (1838), pp. 39-40; s.a. Droysen (1877), Bd. II, pp. 291-292; Will (1984)a, p. 56; Huß (2001), p. 182.

262 Green (1990), pp. 29-30.

263 Huß (2001), p. 182 c. n. 683; s.a. Droysen (1877), Bd. II, pp. 293-295; Seibert (1969), p. 195; Mehl (1995), p. 111.

264 Huß (2001), p. 183; s.a. Seibert (1969), pp. 193-196; Hauben (1976), pp. 1-2 & 5.

265 Hölbl (1994), p. 21; s.a. Hauben (1976), p. 1: „The naval battle at Salamis is the most important naumachia ever fought between Diadochian fleets.

266 Bengtson (1975), p. 70; s.a. Seibert (1969), p. 197.

267 Huß (2001), pp. 183-184 c. nn. 692 & 694; s.a. Tarn (1927)c, p. 498; Volkmann (1959)e, p. 1621.

268 Huß (2001), p. 184.

269 Hauben (1977)c, p. 266.

270 Huß (2001), p. 184 c. n. 697; s.a. Mehl (1995), pp. 111-112.

271 Tarn (1927)c, pp. 498-499; s.a. Bengtson (1975), pp. 26 & 70; Hauben (1976), p. 1; Bengtson (1987), p. 58.

272 Hölbl (1994), pp. 22-23; s.a. Grant (1990), p. 91; Schneider (1994), p. 206; Rosen (1997), p. 503; Huß (2001), p. 185.

273 Will (1984)a, p. 56; s.a. Tarn (1927)c, p. 499; Seibert (1969), p. 207; Bengtson (1987), p. 58.

274 Bengtson (1975), p. 71; s.a. Mahaffy (1895), pp. 54-56; Seibert (1969), p. 207; Huß (2001), p. 185.

275 Mahaffy (1895), pp. 55-57; s.a. Seibert (1969), pp. 209-210 & 217; Huß (2001), pp. 185-186 c. n. 707.

276 Seibert (1969), pp. 218-219; s.a. Bengtson (1975), p. 71; Bengtson (1987), p. 59; Hölbl (1994), p. 22.

277 Mahaffy (1898), p. 49; s.a. Mahaffy (1895), p. 55; Bouché-Leclercq (1903-1907), Bd. I, p. 74.

278 Seibert (1969), pp. 207-209; s.a. Volkmann (1959)e, p. 1622.

279 Huß (2001), pp. 186-187; s.a. Volkmann (1959)e, p. 1622; Bevan (1968), p. 34; Seibert (1969), p. 216.

280 Huß (2001), p. 187.

281 Hauben (1977)b, pp. 316-334 passim; s.a. Green (1990), pp. 9 & 32.

282 s. Plut. Demetr. 21,1: ...Ῥοδίοις Πτολεμαίου συμμάχοις οὖσι.

283 Seibert (1969), pp. 225-230; s.a. Hauben (1977)b, pp. 336-337.

284 Diod. 20,81,4; s. P. Köln 247,3,23-30 (Lehmann (1988), p. 16); s.a. Will (1984)a, p. 56; Lehmann (1988), p. 5.

285 Rostovtzeff (1937), p. 70.

286 s. [Demosth.] Dionys. 3-5 & 10 & Pol. 30,31,10-12; s.a. Green (1990), p. 378; Mahaffy (1895), p. 61.

287 Beloch (1912-27), Bd. IV,1, p. 157; s.a. Volkmann (1959)e, p. 1622; Seibert (1969), p. 255.

288 Will (1984)a, p. 56.

289 Huß (2001), p. 188; s.a. Bouché-Leclercq (1903-1907), Bd. I, p. 76; Hauben (1977)b, p. 329.

290 Droysen (1877), Bd. II, pp. 313-324; s.a. Tarn (1927)c, pp. 499-500; Bengtson (1975), pp. 72-73.

291 Huß (2001), p. 189; s.a. Volkmann (1959)e, p. 1622.

292 Hauben (1977)b, p. 338; s.a. Tarn (1927)c, pp. 500-501; Huß (2001), pp. 189-190.

293 Huß (2001), p. 190; s.a. Seibert (1969), p. 320; Hauben (1977)b, p. 338.

294 Green (1990), pp. 32-33; s.a. Volkmann (1959)e, p. 1623; Bengtson (1987), p. 173; Higgins (1988), pp. 128-137 passim.

295 Fraser (1972), Bd. I, pp. 161-168 passim; s.a. Will (1984)a, p. 57; Hölbl (1994), pp. 23-24.

 

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