Dr. Christian A. Caroli – د. كْرِسْتْيَان أ. كَارُلِي

Ptolemaios I. Soter

Caroli: Ptolemaios I. Soter (Coverbild)

Christian A. Caroli:

Ptolemaios I. Soter – Herrscher zweier Kulturen
 

Konstanz 2007 (badawi - artes afro arabica)
 

Umfang: XIV + 414 Seiten • Format: 24 x 17 cm • ISBN 13: 978-3-938828-05-2

Preis (bis 10/2015): EUR 59,99 (inkl. 7% MwSt.) • Preis (ab 11/2015): EUR 29,95 (inkl. 7% MwSt.)

 

 

B) Rahmenhandlung und Außenpolitik einschließlich der Verwaltung der Provinzen

III.) Die Außenbesitzungen

a) Die Kyrenaia

3.) Der Zug gegen Karthago und der Fall von Ophellas

Im August 310 startete Agathokles einen Feldzug gegen Karthago (Diod. 20,3-19 & Iust. 22,4-7) mit lediglich 60 Schiffen (Diod. 20,5,1).379 Daher bat er Ophellas um Unterstützung (Diod. 20,40,1) und versprach ihm, im Falle des Erfolges die Herrschaft über die afrikanischen Gebiete des Herrschaftsbereiches Karthagos (Diod. 20,40,2-4; s.a. Iust. 22,7,4 & StV III,432), worauf dieser einging. Für diese Aktion wurden Truppen aus ganz Griechenland rekrutiert, v.a. aber aus Athen, wohin eine Gesandtschaft geschickt wurde (Diod. 20,40,5-7). Daraufhin stieß Ophellas mit 10.000 Fußsoldaten, 600 Kavalleristen und 100 Streitwagen und einem Troß von über 10.000 Personen zu Agathokles (Diod. 20,41,1). Dieser lockte jedoch Ophellas in einen Hinterhalt, überfiel ihn mit seinem Heer und ließ ihn ermorden (Diod. 20,42,3-5; s.a. Iust. 22,7,5), während dessen Heer in die Reihen der Syrakusaner überlief (Diod. 20,42,5 & Iust. 22,7,6).380 Die Ophellas zugedachte Rolle dürfte im wesentlichen auch in der Beschaffung von Truppen und in der Versorgung bestanden haben, während der Syrakusaner sich mit den Expansionsgelüsten seines Partners nicht angefreundet haben dürfte.381 Agathokles sah sich allerdings 308/07 schon wieder genötigt, aufgrund der dortigen Verhältnisse und Geschehnisse nach Sizilien zurückzukehren, wobei er noch einmal nach Libyen übersetzte, um nach einer erfolglosen Kampagne sein Heer wiederum zu verlassen, das dann relativ rasch aufgerieben wurde.382 Ptolemaios hingegen konnte die Kyrenaia wieder ohne erkennbare Probleme in sein Reich eingliedern.383

Gelegentlich gehen manche Forscher davon aus, daß dieses Unternehmen kaum im Sinne der Politik des Ptolemaios gewesen sei, so daß Ophellas zu diesem Zeitpunkt de facto habe unabhängig sein müssen, wie auch manche Quellen ihn für einen eigenständigen Herrscher zu halten scheinen.384 Dagegen spricht jedoch die Tatsache, daß Ptolemaios nach dem Frieden von 311 genügend Freiraum besessen hätte, gegen Ophellas in Kyrene zu intervenieren, wenn dieser von ihm abgefallen wäre.385 Außerdem wäre es in einer solchen Situation kaum wahrscheinlich gewesen, daß Ophellas sich auf das Abenteuer mit Agathokles eingelassen hätte, da er in diesem Falle einen Zweifrontenkrieg hätte befürchten müssen, indem der Lagide die günstige Gelegenheit zur Klärung der Verhältnisse zu eigenen Gunsten bestimmt nicht hätte verstreichen lassen.386

 

 

Anmerkungen:

379 Niese (1893), pp. 751-752; Green (1990), p. 222. Die Datierung erfolgt vornehmlich aufgrund der Erwähnung einer Sonnenfinsternis am Tage nach dem Aufbruch, die auf den 13. bzw. 14. August 310 angesetzt wird.

380 Huß (2001), pp. 179-180; s.a. Allam (1984), pp. 752-753; Berve (1939), pp. 633-634.

381 Huß (2001), pp. 179-180.

382 Diod. 20,55,5-61,4 & 20,64-69 & Iust. 22,8; s.a. Green (1990), p. 222; Geier (1838), p. 38; Niese (1893), pp. 753-754.

383 Berve (1939), p. 634.

384 Diod. 20,40,1: κυριεύων δὲ [sc. Ὀφέλλας] τῶν περὶ Κυρήνην πόλεων καὶ δυνάμεως ἁδρᾶς περιεβάλετο ταῖς ἐλπίσι μείζονα δυναστείαν.; Iust. 22,7,4 & Suda s.v. Δημήτριος, ὁ ἈντιγόνουOros. 4,6,29; s.a. Ameling (2000)c, p. 1252; Volkmann (1959)e, p. 1620.

385 Mørkholm (1980), p. 147.

386 Geyer (1928)c, p. 293.

 

Diese Inhalte sind urheberrechtlich geschützt (UrhG) und dürfen nur nach expliziter Genehmigung der Rechteinhaber an anderer Stelle publiziert werden.