Dr. Christian A. Caroli – د. كْرِسْتْيَان أ. كَارُلِي

Ptolemaios I. Soter

Caroli: Ptolemaios I. Soter (Coverbild)

Christian A. Caroli:

Ptolemaios I. Soter – Herrscher zweier Kulturen
 

Konstanz 2007 (badawi - artes afro arabica)
 

Umfang: XIV + 414 Seiten • Format: 24 x 17 cm • ISBN 13: 978-3-938828-05-2

Preis (bis 10/2015): EUR 59,99 (inkl. 7% MwSt.) • Preis (ab 11/2015): EUR 29,95 (inkl. 7% MwSt.)

 

 

G) Nachgeschichte(n)

II.) Das Ende der Diadochenkriege und die Herausbildung des „hellenistischen Staatensystems“

In den ersten Jahren der Herrschaft des Ptolemaios II. Philadelphos nahm auch das Kapitel der Diadochenkämpfe sein Ende. Schon 284 hatte sich Pyrrhos genötigt gesehen, Makedonien aufzugeben, woraufhin Lysimachos über ganz Makedonien als König herrschte, während Pyrrhos für die nächsten Jahre durch seine Italienabenteuer aus dem Gesichtsfeld der Diadochen verschwand und vorerst keine weitere Rolle spielte.37 Dennoch sollten die beiden letzten verbliebenen Diadochen, Lysimachos und Seleukos I. Nikator, keine Ruhe finden. Denn unter der maßgeblichen Beteiligung Arsinoes II., die ihre eigenen Kinder als Thronerben durchsetzen wollte, spielten sich am Hofe des Lysimachos diverse Familienintrigen ab, bei denen es u.a. zur Hinrichtung des angestammten Thronfolgers kam, während die Überlebenden der unterlegenen Seite an den Hof des Seleukos I. Nikator flohen und diesen zum Kriege bewegten.38 So trafen die beiden verbliebenen Diadochen 281 in der Schlacht von Kurupedion mit ihren Heeren aufeinander, wobei Lysimachos auf dem Schlachtfeld tot liegenblieb.39 Jedoch konnte sich Seleukos nicht lange über seinen Sieg freuen. Denn als er im Spätsommer desselben Jahres nach Europa vorstoßen wollte, um die Herrschaft in Makedonien zu beanspruchen, wurde er von Ptolemaios Keraunos, den er an seinem Hof aufgenommen hatte, ermordet, während der Mörder sich zum König Makedoniens ausriefen ließ.40 Dieser fiel allerdings schon 279 im Kampf gegen die Kelten, die in den Balkan eingedrungen waren (Iust. 24,3,10-5,7 & FGrH 434 (Memnon von Herakleia) F1,8,8), nachdem er allerdings vorher noch Arsinoe II., seine Halbschwester und die Witwe des Lysimachos, geheiratet, zwei ihrer Söhne ermordet und die Festung und Stadt Kassandreia von ihr übernommen hatte (Iust. 24,2,1-3,9 & 17,2,7-8). Nach dem Fall des Ptolemaios Keraunos als amtierendem makedonischen König gab es noch mehrere kurzfristige Herrscher in Makedonien, die entweder abgesetzt oder von den Kelten besiegt wurden,41 bis 278 Antigonos Gonatas, der Sohn des Demetrios Poliorketes, König von Makedonien wurde, 277 die Keltengefahr beseitigte, 276 seine Konkurrenten neutralisierte und 272 seinen außenpolitischen Feind Pyrrhos endgültig abwehrte (Iust. 25,3,1-5,2 & Paus. 1,13,2-8 & Plut. Pyrrh. 16,2-7 & 32-34 & Polyain. 8,49 & 8,68).42

Somit hatte sich das klassische „hellenistische Staatensystem“ mit seinen drei etablierten Monarchien der Ptolemaier, Seleukiden und Antigoniden, wenn auch nicht als das Ergebnis einer gezielten Politik, so jedoch als faktischer Zustand, herausgebildet und führte zu einer relativen Stabilität der hellenistischen Staatenwelt für ungefähr die nächsten 200 Jahre.43By 276 Alexander’s funeral games were over.44 Die Reichseinheit spielte keine wesentliche Rolle mehr in der Politik der einzelnen Diadochenstaaten, sondern der Pluralismus der Nachfolgestaaten mit eigenen Interessen hatte sich endgültig durchgesetzt.45

Arsinoe II. gelangte schließlich nach Alexandreia, wo sie zwischen 279 und 274 von ihrem Vollbruder Ptolemaios II. Philadelphos geehelicht wurde.46

 

 

Anmerkungen:

37 Bengtson (1987), pp. 131 & 163-166.

38 Iust. 17,1,3-9 & Paus. 1,10,3-4 & FGrH 260 (Porphyrios von Tyros) F3,8 & FGrH 434 (Memnon von Herakleia) F1,5,5-6.

39 Iust. 17,1,9-2,1 & Paus. 1,10,5 & FGrH 434 (Memnon von Herakleia) F1,5,7 & App. Syr. 62,329.

40 s. Iust. 17,2,4-5 & FGrH 434 (Memnon von Herakleia) F1,8,2-3 & App. Syr. 62,329-330 & 63,334 & Strab. 13,4,1 (p. 623).

41 s. Diod. 22,4 & Iust. 24,5,12-14 & 25,1,2-2,7 & Diog. Laert. 2,141 & Eus. chron. p. 111,7-27 Karst.

42 Huß (2001), pp. 256-260 & 263-264; s.a. Bengtson (1987), pp. 133-135 & 148-154 passim.

43 Eder (1998)b, p. 318; s.a. Bengtson (1975), p. 113; Hölbl (1994), pp. 33-34; Huß (2001), p. 263.

44 Green (1990), p. 134.

45 Meier (1997), p. 506; s.a. Bengtson (1987), p. 12.

46 Paus. 1,7,1 & Theokr. 17,127b-134 & Kallim. frg. 392Pf.; s.a. Huß (2001), pp. 265 & 307; Volkmann (1959)f, p. 1658.

 

 

 

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