Dr. Christian A. Caroli – د. كْرِسْتْيَان أ. كَارُلِي

Ptolemaios I. Soter

Caroli: Ptolemaios I. Soter (Coverbild)

Christian A. Caroli:

Ptolemaios I. Soter – Herrscher zweier Kulturen
 

Konstanz 2007 (badawi - artes afro arabica)
 

Umfang: XIV + 414 Seiten • Format: 24 x 17 cm • ISBN 13: 978-3-938828-05-2

Preis (bis 10/2015): EUR 59,99 (inkl. 7% MwSt.) • Preis (ab 11/2015): EUR 29,95 (inkl. 7% MwSt.)

 

 

C) Griechen, Makedonen, Ägypter und das ptolemaiische Königtum

IV.) Die Legitimation als Basileus

c) Die Übersteigerung der Leistung des Herrschers zum Göttlichen

2.) Die kultischen Ehren des Ptolemaios I.

Zunächst einmal erfuhr Ptolemaios I. als Gründer von Ptolemais u.U. schon ab der Gründung zu Lebzeiten die gängigen kultischen Ehren des κτίστης.525 Dieser Kult wurde auch in der Kaiserzeit fortgeführt.526 Allerdings kann der Soter-Kult in Ptolemais erst seit der Regierungszeit des Ptolemaios IV. Philopator belegt werden. Jedoch besteht die gute Möglichkeit, daß der Kult von den Bürgern von Ptolemais schon zu Lebzeiten des Ptolemaios I. eingerichtet worden war, wobei er dann wohl noch nicht unter dem Titel des Θεὸς Σωτήρ firmiert hatte,527 wenn es sich nicht wie beim Alexanderkult um zwei verschiedene Kulte handelte.528 Aber auch außerhalb Ägyptens erfuhr Ptolemaios I. in der griechischen Welt kultische Ehren, wie sie traditionellerweise einem Gott zustanden, wobei in erster Linie Rhodos und der Nesiotenbund (SIG3 390,27-28 = IG XII,7,506,27-28) angeführt werden müssen.529

In Rhodos wurde aus Dankbarkeit für die Hilfe des Ptolemaios I. während der Belagerung der Stadt durch Demetrios Poliorketes der Koloß von Rhodos errichtet und ein Kult für den Lagiden eingeführt.530 Zugleich soll er gemäß dem Bericht des Pausanias dort den Beinamen des Σωτήρ erhalten haben.531 Hiergegen wurden aber v.a. durch Hazzard532 erhebliche Zweifel geäußert. So sei diese Begebenheit allein bei Pausanias überliefert, der sein Werk über 400 Jahre nach diesen Ereignissen niedergeschrieben habe und deswegen hierbei nur so gut sein könne wie seine Quellen, auf die er angewiesen sei und die ab und zu Irrtümern unterlägen und somit falsche Informationen lieferten. So unterliefen dem Autor gerade bei den frühen Ptolemaiern offensichtlich mehrere Irrtümer, so daß er für diese Zeit keine besonders zuverlässige Quelle darstelle. So behaupte er z.B., daß sich Ptolemaios unter den Rettern Alexanders vor den Oxydrakai befunden habe (Paus. 1,6,2), während Ptolemaios selber anführe (Arr. anab. 6,11,8), bei dieser Aktion, die zudem in der Mallerstadt stattgefunden habe, nicht anwesend gewesen zu sein. Curtius erwähne nun als Kenner des Werkes des Ptolemaios, daß der Lagide sich bei dieser Aktion anderswohin plaziert habe (Curt. 9,5,21), wogegen einzuwenden sei, daß Ptolemaios sich kaum von dieser Heldentat distanziert hätte, wenn er dabeigewesen wäre. Außerdem lege der Bericht des Pausanias dem Leser nahe, daß zwischen der Schlacht von Gaza 312 und der Seeschlacht von Salamis 306 lediglich ein Winter gelegen habe (Paus. 1,6,5-6), während zuverlässigere Quellen eindeutig den Schluß nahelegten, daß zwischen beiden Ereignissen sechs Winter vergangen seien (IG XII,444,119-120 = FGrH 239 (Marmor Parium) B16 (312/11) & IG XII,444,126 = FGrH 239 (Marmor Parium) B21 (307/06); s.a. Diod. 19,82-84 & 20,51-52). Nach Pausanias habe außerdem Ptolemaios schon vor seinem Tode zugunsten seines Nachfolgers abgedankt (Paus. 1,6,8), während aufgrund von Dokumentenfunden eindeutig feststehe, daß Ptolemaios I. bis zu seinem Tode regierender König gewesen sei (s. in G) I.) Tod und Nachfolge des Ptolemaios I.). Außerdem habe nach der Version des Pausanias erst Ptolemaios II. Philadelphos den Leichnam Alexanders nach Alexandreia überführt, während andere Quellen berichteten, daß dieser schon unter Ptolemaios I. in Alexandreia seine letzte Ruhe gefunden habe und Zentrum eines von Ptolemaios I. eingeführten Kultes geworden sei (Curt. 10,10,20 & Diod. 18,28,3-4 & Strab. 17,1,8 (p. 794); s.a. in C) IV.) d) 1.) Die programmatische Anlehnung an Alexander den Großen). Daher bringe es eine gewisse Problematik mit sich, wenn trotz dieser Anzahl von Fehlinformationen im Falle der Information über den Kulttitel des Ptolemaios I. allein Pausanias vertraut werden solle.

Dagegen wurde allerdings eingewandt, daß sowohl Plutarch als auch Diodor keine Quellen seien, die wirklich jede Einzelheit anführten. Außerdem werde in keiner einzigen Quelle überhaupt eine andere Gelegenheit erwähnt, bei der Ptolemaios auch nur andeutungsweise mit seinem Beinamen versehen worden sein könnte, während Pausanias den einzigen positiven Beleg für den Erhalt des Beinamens bilde.533 Aber gegen solche Argumente führte Hazzard schon a priori an, daß die Darstellung Diodors über die Ereignisse von 305/04 und im speziellen über die Belagerung von Rhodos (Diod. 20,81-88 & 20,91-100) äußerst ausführlich sei. Außerdem zeige der Schriftsteller in seinem Bericht normalerweise ein außerordentliches Interesse an öffentlichen Ehrenbezeugungen und beschreibe so z.B. die Alexanders an Hephaistion (Diod. 17,115-116), die des Ptolemaios an Alexander (Diod. 18,23,3-4) und die Athens an Antigonos Monophthalmos und Demetrios Poliorketes (Diod. 20,46,1-3). Außerdem werde Ptolemaios außerordentlich positiv dargestellt (Diod. 18,14,1 (Übergehen der Kleomenes-Affäre)534 & 18,28,5-6 & 18,33,3) und würden seine anderen Ehren und Ruhmestaten erwähnt, so daß es unwahrscheinlich erscheine, daß er die Verleihung dieses Ehrentitels übergangen hätte, wenn sie in irgendeiner seiner Quellen erwähnt worden wäre. Bei einer anderen Gelegenheit, nämlich der Darstellung der mythischen Geschichte von Rhodos, führe Diodor aber Zenon von Rhodos, einen Lokalhistoriker des späten 3. Jh., als Gewährsperson an. Der Bericht über die Belagerung von Rhodos scheine wiederum aufgrund der einseitigen Parteinahme für Rhodos und der Verwendung von rhodischen Phrasen und Schlagwörtern nahezulegen, daß ein Rhodier hier die Gewährsperson gewesen sei, nämlich u.U. eben dieser Zenon. Ein Rhodier dürfte aber kaum diese öffentliche Ehrung seiner Heimatstadt, die zu seiner Zeit höchstwahrscheinlich noch Gültigkeit hätte besitzen müssen, übergangen haben. Eine andere nicht unwahrscheinliche Quelle Diodors sei auch Hieronymos von Kardia gewesen, der zwar mit den Antigoniden verbunden gewesen sei, jedoch in seiner Berichterstattung des späten 4. Jh. als ausgewogen und sachlich gelte. Daher dürfte er über eine Ehrung durch einen Kultnamen berichtet haben, zumal da er u.U. auch der Gewährsmann für die Erwähnung des Kulttitels des Antigonos Monophthalmos und des Demetrios Poliorketes bei den Athenern sei535 und da Kultnamen dieser Art zu diesem Zeitpunkt noch außerordentlich selten gewesen seien, so daß sie unter Zeitgenossen auf Interesse gestoßen wären. Schließlich finde der Kulttitel des Ptolemaios bei allen anderen Autoren von der Zeit Diodors an Erwähnung wie z.B. bei Josephus (Ios. ant. 12,3), Pausanias und Stephanos von Byzanz (Steph. Byz. s.v. Ὀξυδράκαι).536

Dagegen wird wiederum angeführt, daß gerade die Erwähnung der durch die Rhodier verliehenen Ehrungen an Ptolemaios äußerst knapp ausfalle, weswegen die der Verleihung des Kulttitels dieser Kürze zum Opfer gefallen sein könnte.537 Zugleich wurde ja die Verleihung des Kulttitels nach Pausanias gerade von den Rhodiern durchgeführt, die Ptolemaios zur gleichen Zeit göttliche Ehren mit einem eigenen Kult verliehen, so daß beides wohl miteinander im Zusammenhang zu stehen scheint. So wird Ptolemaios auch in einem demotischen Graffito vom 22. Thot des 2. Jahres (28.11.304)538 u.U. als „der schützende König, str [= Σωτήρ]“ bezeichnet. Allerdings bestehen an dieser Stelle etliche paläographische Schwierigkeiten, so daß diese Deutung als ungesichert und damit der Beleg als zweifelhaft gilt.539 Eine Auffälligkeit dieses Textes besteht auch darin, daß diese Inschrift in der gleichen Zeile (l. 2) den Namen der königlichen Gattin mit anführt, auch wenn sich der Titel nicht direkt auf sie mit zu beziehen scheint. Jedoch erscheinen die Zeilenabstände der Inschrift so regelmäßig, daß die Zeile 2 wohl kaum eine nachträgliche Einfügung sein kann.540 Dagegen seien nach der Argumentation von Hazzard mehrere Inschriften aus dem priesterlichen Bereich auf Rhodos erhalten, die allesamt nicht diesen Kulttitel erwähnten, sondern schlichtweg von „Ptolemaios“ oder „König Ptolemaios“ sprächen, obwohl doch gerade hier erwartet werden müßte, daß bei den offiziellen Texten der Priesterschaft ein eventueller Kulttitel des Ptolemaios erwähnt worden wäre, wenn er wirklich rhodischer Herkunft wäre. Die erste Inschrift sei dabei auf einer von Ptolemaios veranlaßten Lieferung von 20 προμετωπίδια an den Tempel der Athena Lindia angebracht gewesen, die in der Tempelchronik von Lindos belegt und honoriert würden.541 Jedoch gerade bei diesem offiziellem priesterlichen Text könnte erwartet werden, daß Ptolemaios aus Dankbarkeit mit seinem Ehrentitel genannt würde. Eine weitere Inschrift aus dem späten 3. Jh.,542 die mehrere amtierende Priester mit ihren jeweiligen Gottheiten aufführe, erwähne einen Aineisagoras, Sohn des Hagesopolis, als Priester des Ptolemaios (ll. 15-16). Dabei stehe das Wort Πτολεμαίου in einer eigenen Zeile, die links und rechts von freiem Raum umgeben sei, so daß hier eine ursprüngliche Erwähnung des Kulttitels äußerst unwahrscheinlich sei, obwohl diese doch gerade hier zu erwarten wäre, da hier auf die Priesterschaft und damit den Kult des Ptolemaios verwiesen werde. Auch Timachidas, Sohn des Hagesitimos, erwähne in seiner 99 verfaßten Tempelchronik von Lindos trotz vierfacher namentlicher Erwähnung des Ptolemaios (Inscr. Lindos C110 & 111 = FGrH 532 (Anagraphe von Lindos) C39) nicht den Kulttitel. Indes habe er als Kommentator literarischer Werke über ausgeprägte Literaturkenntnisse verfügt und müsse somit von dem Namen gehört haben, zumal da er an anderen Stellen Beinamen anführe wie bei der Athena Lindia und bei Ptolemaios II. Philadelphos, so daß der Kultname des Ptolemaios I. in Rhodos nicht gebraucht worden zu sein scheine.543 Dagegen wird allerdings wiederum eingewandt, daß bei der Erwähnung einer Weihung des Ptolemaios I. die Weihinschrift zitiert werde und deswegen im Bericht der Titel fehle, weil die ersten Ptolemaier ihre eigenen Kulttitel niemals selber unter ihren Titeln anführten. Außerdem habe der Titel Σωτήρ nicht unbedingt Göttlichkeit impliziert, sondern es habe sich primär um einen auch Menschen zukommenden Ehrentitel gehandelt, so daß er u.U. im Rahmen der kultischen Verehrung keinen notwendigen Bestandteil gebildet habe. So sei es zu dieser Zeit schon nicht mehr unbedingt abwegig gewesen, Menschen als Σωτήρ zu bezeichnen, indem z.B. Aischylos schon im 5. Jh. in seinen Hiketiden diesen Titel den Argivern verliehen habe.544

Mit hoher Sicherheit kann allerdings bestimmt werden, daß dieser Beiname aus dem griechischen Sprachbereich stammt, da er in demotischen Texten gelegentlich schlichtweg als str translitteriert und sonst in ägyptischen Texten nicht in einheitlicher Weise umschrieben wird, indem z.B. als Varianten „der schützende König“, „derjenige, der rettet“ und „derjenige, der Unheil beseitigt“ vorkommen.545 Teilweise wird die Übernahme des Kulttitels dabei in zeitlichem Zusammenhang mit der Selbstkrönung durch Ptolemaios gesetzt, da durch diese Krönungen der Diadochen der Königstitel zu einem inhaltlich nicht definierten Begriff geworden sei, indem zum einen die dynastische Kontinuität zerrissen und zweitens der Herrschaftsbereich durch die Pluralität nicht mehr definiert gewesen sei. Daher habe das Königtum einer neuen inhaltlichen Füllung bedurft, die durch die Entrückung zum Göttergleichen geliefert worden sei.546 Allerdings entsteht hier eine andere grundsätzliche Frage, nämlich die, ob die im griechischen Sprachgebrauch allmählich aufkommenden Beinamen der Könige unter Ptolemaios I. in seinem Reich und in seiner Königskonzeption schon die Rolle spielten, die sie bald erhalten sollten. Denn die Vergöttlichung des regierenden Königs im Staatskult unter den Griechen und Makedonen sollte im Reiche selber erst unter Ptolemaios II. Philadelphos eine tragende Rolle übernehmen. Da die Herrscher erst in diesem Rahmen bei ihrer Vergöttlichung Kultnamen bekamen, während Ptolemaios I. noch kein vorgefertigtes Konzept in diesem Sinne besessen hatte, kann dieser zu seinen Lebzeiten keinen Kulttitel im Rahmen eines zentralen Herrscherkultes besessen haben, sondern dieser konnte ihm erst mit der Einführung dieses Kultes überhaupt in dem Sinne eines zentralen Kultnamens verliehen werden. So wurde auch Ptolemaios II. Philadelphos bei Weihinschriften noch in der Regel lediglich als „Ptolemaios, Sohn des Ptolemaios“ bezeichnet, zumal da zu seiner Zeit der König durch diese Namensgebung hinreichend identifiziert werden konnte, was erst bei seinen Nachfolgern schwieriger wurde, seitdem Ptolemaios definitiv zum Dauernamen aller Könige dieser Dynastie wurde.547 Belege für eine Anführung des Kulttitels des regierenden Königs in offiziellen Dokumenten bestehen erst seit Ptolemaios VIII. Euergetes II. (s. OGIS 141 & 142), während es vorher nur Indizien dafür gibt, daß es diese Titel schon zu Lebzeiten in irgendeiner Form gegeben haben muß, da andere Stellen diese Titel benutzten und dabei meist bei einem König immer denselben Namen beibehielten. So kam schon unter Ptolemaios II. Philadelphos die Sitte auf, den Namen des Herrschers zusammen mit der kultischen Bezeichnung des im Kult verankerten Elternpaares anzuführen.548 Beim städtischen Herrscherkult stellten Kultnamen dagegen keine Notwendigkeit dar und wurden kein fester Namensbestandteil, sondern besaßen eher Prädikatscharakter, indem man die verehrte Person lediglich näher spezifizieren wollte.549

Jedoch bot sich bei der Einführung eines zentralen Reichskultes für Ptolemaios I. natürlich an, einen Titel zu übernehmen, der in irgendeiner Form schon im Zusammenhang mit dem König existierte. Dabei standen natürlich die Namen in erster Reihe, die in manchen Regionen schon gängig waren. Zugleich besteht eine hohe Plausibilität dafür, daß Ptolemaios I., wenn nicht unbedingt im Rahmen der Belagerung von Rhodos, aber doch irgendwann seinen Beinamen für seine Kämpfe gegen den Machthunger einiger seiner Rivalen erhielt. Denn er sorgte ja dafür, daß jeder, der die Herrschaft über das Gesamtreich offen anstrebte, niedergekämpft wurde, und „rettete“ somit den Rest der hellenistischen Welt, aber v.a. auch Ägypten, das zweimal mit großer Heeresmacht direkt angegriffen wurde. Dabei würde es sich dann natürlich um einen Beinamen lediglich prädikativen Charakters handeln.

Der erste sichere positive Beleg für die offizielle Verwendung des Kulttitels von Seiten der Ptolemaier besteht in einer Münze mit der Aufschrift ΠΤΟΛΕΜΑΙΟΥ ΣΩΤΗΡΟΣ auf dem Revers, die auf das 23. Jahr des Ptolemaios II. Philadelphos, also 263/62, datiert ist,550 während die früheste sicher datierbare Inschrift um 262 entstand (Inschr. Milet 139,24; s.a. P. Rev. 1,1 (259)), so daß „these inscriptions only tell us how Ptolemy I was described during his son’s reign.551 Das Nesioten-Dekret spricht zwar schon gelegentlich der 1. Ptolemaia von [τ]ὸν σωτῆρα Πτολεμαῖον (SIG3 390,28 = IG XII,7,506,28), wobei diese Formulierung jedoch eher den Eindruck erweckt, als sei der Begriff des Retters eher als ein Ehren- bzw. Ruhmestitel denn als ein formaler Kultname zu verstehen. Allerdings kommt im gleichen Dekret die Formulierung οἴτινες ἀφ[ι|κ]όμενοι εἰς Ἀλεξάνδρειαν θύσουσίν τε ὑπὲρ τοῦ | [κ]οινοῦ τῶν Νησιωτῶν Πτολεμαίωι Σωτῆρι καὶ | [τὸν σ]τέφανον ἀποδώσουσιν τῶι βασιλεῖ. (SIG3 390,54-57 = IG XII,7,506,54-57) vor, die den Beinamen schon als Kulttitel erscheinen läßt. So könnte der Kult des Ptolemaios I. als Θεὸς Σωτήρ im Rahmen der 1. Ptolemaia eingeführt worden sein.552 Auch besaß Ptolemaios II. Philadelphos ein gewisses Interesse, die Leistungen seines Vaters, zu denen auch die Bewahrung des Reiches vor den Invasionen des Perdikkas und des Antigonos Monophthalmos gehörten, auf besondere Weise hervorzuheben, um sich selber als Sohn dieses Helden wieder hervorzuheben und zu legitimieren (s. in G) III.) Die Vergöttlichung des Ptolemaios I. Soter). Da dann dieser Titel u.a. in Erinnerung des Kampfes gegen Antigonos Monophthalmos und Demetrios Poliorketes und der Abwehr ihrer Invasion, der letzten bis zur Zeit des Ptolemaios II. Philadelphos (und weit darüber hinaus), entstanden ist, besteht dann auch die Möglichkeit, daß es im allgemeinen griechischen Gedächtnis zu einer Verschiebung des Inhaltes kam. Dann hätte man sich der Belagerung von Rhodos erinnert, die in der Antike ein besonderes Echo fand und die auch indirekt Bestandteil des Ringens des Ptolemaios I. mit Antigonos Monophthalmos und Demetrios Poliorketes war. Dabei wäre man auch auf die Einführung eines griechischen Kultes für Ptolemaios I. gestoßen, zumal da die dortige Errichtung des Kolosses im Zusammenhang mit dieser Errettung von der griechischen Welt nicht unbemerkt blieb. Eher unwahrscheinlich erscheint dagegen die Variante, die u.U. Kleitarchos zuzuordnen ist, daß Ptolemaios seinen Beinamen erhalten habe, als er in der Mallerstadt Alexander das Leben gerettet habe, während Ptolemaios dies abstreitet.553

 

 

Anmerkungen:

525 Inscr. Philai I,20 (118/6): [Κολ]ά̣νθαι, Πανὶ Εὐόδωι καὶ θε[ῶι] | [Σω]τῆρι Δημήτριος ὁ συγγε̣[νὴς] | [καὶ ἐ]π̣ιστράτηγο̣ς̣ καὶ στρατ[ηγὸς] | [τῆς Θ]ηβαίδος καὶ γραμματεὺς τῆ̣[ς συνόδου] | [καὶ αἱ ἐ]ν̣ Πτολεμαίδι τεταγμέ[ναι δυνάμεις] | [π̣ε̣ζ̣ι̣]καὶ καὶ ἱππικαὶ καὶ ναυτικα[ὶ] | τὸν βωμὸν | [Ἀ]π̣ο[λ]λωνίου τῶν δια̣—δ̣όχων [καὶ] | [φ]ρο[υ]ράρχου Φιλῶν.; s.a. Hölbl (1994), p. 85.

526 Fraser (1972), Bd. I, p. 803; s.a. Plaumann (1911); Volkmann (1954)e, p. 1637; Habicht (1970), p. 123.

527 Plaumann (1910), pp. 50-51; s.a. Otto (1905-08), Bd. I, pp. 160-161; Ijsewijn (1961), pp. 33-34 & 123.

528 s. C) IV.) d) 3.) Die kultische Anlehnung an Alexander den Großen.

529 Hölbl (1994), p. 86; s.a. Volkmann (1954)e, p. 1637; Walbank (1984)b, p. 92.

530 s. Diod. 20,100,3-4; s.a. Hölbl (1994), p. 23; Meyer (1979)b, p. 1421; Ellis (1994)c, p. 49.

531 Paus. 1,8,6: τὸν δὲ τοῦ Λάγου Σωτῆρα παραδόντων Ῥοδίων τὸ ὄνομα.; s.a. Walbank (1984)b, p. 92.

532 Hazzard (1992), pp. 52-54.

533 Ellis (1994)c, p. 49.

534 s. B) II.) a) 2.) β) Die innenpolitische Machtfestigung und die Beseitigung des Kleomenes.

535 s. Diod. 20,46,2: ...καὶ βωμὸν ἱδρυσαμένους προσαγορεῦσαι Σωτήρων...; Plut. Demetr. 10,3.

536 Hazzard (1992), pp. 54-55.

537 Johnson (2000), p. 103.

538 „(1) L’an I, du Pharaon Ptolémée, (1 bis) de Mésorè, (2) le Roi Protecteur, le Sôter [et] de Bérénice. […] (7) Écrit l’an 2, le jour 22 de Thôt.“ (Karkowski / Winnicki / Brecciani (1983), Taf. 16 & p. 104 (Text) & pp. 104-105 (Übersetzung)).

539 Huß (2001), p. 239 c. n. 17.

540 Karkowski / Winnicki / Brecciani (1983), pp. 104-105 & Taf. 16.

541 s. Inscr. Lindos 2 C110-113 = FGrH 532 (Anagraphe von Lindos) C39 & Inscr. Lindos 2 (=FGrH 532 (Anagraphe von Lindos)) D101 & 106 (bei D115 bricht der Text ab, so daß diese Stelle in jegliche Richtung keinen Beleg darstellt).

542 s. Segre (1941), pp. 29-30 (Text) & pp. 38-39 (Datierung) & Fig. 2 (Abbildung) & pp. 35-36 (Kommentar ad ll. 15-16).

543 Hazzard (1992), pp. 55-56.

544 Johnson (2000), pp. 103-105; s. Aischyl. hik. 980-982: ὦ παῖδες, Ἀργείοισιν εὔχεσθαι χρεών, | θύειν τε λείβειν θ’, ὡς θεοῖς Ὀλυμπίοις, | σπονδάς, ἐπεὶ σωτῆρες οὐ διχορρόπως.

545 Huß (2001), p. 239 c. n. 19.

546 Ellis (1994)c, p. 50.

547 Bevan (1968), p. 56. Eine attische Inschrift zu Anfang der Regierungszeit des Ptolemaios II. Philadelphos bezeichnete z.B. Ptolemaios I. zur Unterscheidung schlichtweg als ὁ βασιλεὺς ὁ πρεσβύτερος Πτολεμαῖος (IG II/III2,682,28-29; s. Strack (1897), p. 110).

548 Strack (1897), pp. 23-24 & 120; s.a. Volkmann (1959)d, pp. 1600-1601; Walbank (1984)b, p. 98.

549 Habicht (1970), pp. 157-158.

550 s. Σβόρονος (1904), no. 794-795 & 821 & 650 & 722-725 & 765.

551 Hazzard (1992), p. 56 n. 35; s.a. Volkmann (1954)e, p. 1638.

552 s. in G) III.) Die Vergöttlichung des Ptolemaios I. Soter. Johnson (2000), pp. 104-105 datiert in die Regierungszeit des Ptolemaios I. die Weihung einer Statue aus Gizeh (OGIS 19: Βασιλέα Πτολεμαῖον Σωτῆρα Διόδοτος Ἀχαιοῦ), da sie sich auf Ptolemaios I. als βασιλεύς ohne Hinzufügung Berenikes I. beziehe, wobei hier auch eine besondere Verbundenheit zum Vorgängerkönig vorliegen und / oder die Weihung z.B. aus der Zeit stammen könnte, als der Kult der Θεοὶ Σωτῆρες noch nicht vollkommen reglementiert war. Eine weitere Weihung an Ptolemaios I. und Berenike I. als Θεοὶ Σωτῆρες (Βασιλέα Πτολεμαῖον | καὶ Βασίλισσαν Βερενίκην | θεοὺς Σωτῆρας Ἡλιόδωρος | Θυμώιδης Ἑρμογένης | σωθέντες εὐχήν (Rubensohn (1913), p. 156, Nr. 1)) scheint eindeutig aus der Zeit nach der Einführung des Kultes unter Ptolemaios II. Philadelphos zu stammen. Swinnen / Swinnen (1971), pp. 46-49 schließen dagegen die Datierung einer 1968 am Moeris-See (= Fayum) gefundenen Inschrift (Ὑπερ βασιλέως | Πτολεμαίου | Θεοῦ Σωτ[ῆ]ρος | Λ[ΑΓΟΥ] | Φιλόξενος Διοφάντου | ὑπὲρ ἑαυτοῦ | καὶ τῆς γυναικὸς | καὶ τῶν τέκνων | Ἡρακλῆ καλληνίκωι | καὶτοῖς συννάοις | Θεοῖς Σωτῆρσι | ἀνέθεκε τὸν πυλ-|ῶνα.) in die Regierungszeit des Ptolemaios I. aus, da die stilistischen, orthographischen und grammatikalischen Merkmale eindeutig in die spätptolemaiische Zeit verweisen, so daß hier Ptolemaios IX. Soter II. gemeint sein müsse.

553 s. FGrH 138 (Ptolemaios Lagu) F26a & b; s.a. Huß (2001), p. 95.

 

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