Dr. Christian A. Caroli – د. كْرِسْتْيَان أ. كَارُلِي

Ptolemaios I. Soter

Caroli: Ptolemaios I. Soter (Coverbild)

Christian A. Caroli:

Ptolemaios I. Soter – Herrscher zweier Kulturen
 

Konstanz 2007 (badawi - artes afro arabica)
 

Umfang: XIV + 414 Seiten • Format: 24 x 17 cm • ISBN 13: 978-3-938828-05-2

Preis (bis 10/2015): EUR 59,99 (inkl. 7% MwSt.) • Preis (ab 11/2015): EUR 29,95 (inkl. 7% MwSt.)

 

 

C) Griechen, Makedonen, Ägypter und das ptolemaiische Königtum

IV.) Die Legitimation als Basileus

b) Einschränkungen der unbegrenzten Macht des Herrschers

4.) Elemente des homerischen Königtums

Viele Elemente des hellenistischen Königtums, v.a. aber die Herrschaftssymbole wie Diadem, königliche Tracht und Siegelring, erinnern sehr stark an das archaische bzw. homerische Königtum. Das dürfte zum einen daran liegen, daß außer in peripheren Bereichen wie Thrakien, Makedonien, Epeiros, Zypern und Kyrene und angrenzenden Kulturen wie Persien, die als in der politischen Entwicklung rückständig angesehen wurden, im Griechentum Könige mit realer Macht nur aus der Zeit der Heroen, wie sie z.B. in den homerischen Epen vorkommen, bekannt waren.478 Zugleich kannte aber auch zumindest jeder halbwegs gebildete Grieche die Ilias Homers, indem er mit ihr aufwuchs und mit ihrer Hilfe und nach ihren Idealen erzogen wurde.479 Alexander war bekanntlich ein Liebhaber der homerischen Epen, indem er ein Exemplar der Ilias und eines der Odyssee mit sich führte (Plut. mor. 327f-328a) und beim Schlafen sich das erste unters Kopfkissen legte (Plut. Alex. 8,2).480 So betonte er den homerischen Aspekt des Königtums bei seinem großen Zug mehrfach, indem er sich bewußt an die Darstellungen der homerischen Epen anschloß. Zum Beispiel knüpfte er bei seinem Übergang nach Asien an den Zug der Griechen gegen Troia an, indem er Protesilaos, der trotz der Prophezeiung des sicheren Todes als erster aus dem griechischen Heer den Boden betreten haben soll, an der Stätte des einstigen Troia Opfer darbrachte.481

Als einzige feste Insignie des Königs, die auch zum Kanon der königlichen Darstellungen gehört, kann allerdings nur das auch „Königsbinde“ genannte „Diadem“, ein flaches weißes Stoffband, das um den Kopf gebunden wurde, belegt werden.482

Der König war in all seinen Handlungen und Unternehmungen wie Schlachten und Symposien immer von einer Schar von ἑταῖροι bzw. φίλοι umgeben, die zugleich als Ratgeber des Herrschers fungierten. Diese stellten einen wesentlichen Bestandteil des königlichen Hofes dar, wie er für die hellenistischen Monarchien allgemein typisch wurde. Sie bildeten auch das Reservoir des Königs für Vertrauenspositionen, vertrauliche Gesandtschaften, höhere militärische Posten und Spitzenpositionen in der Verwaltung im Lande und in den Provinzen.483 Der König war auf sie angewiesen, weil seine Position eine Unmenge von Aufgaben wie z.B. die Bearbeitung von unzähligen Petitionen oder die Fällung von Schiedssprüchen und Gerichtsurteilen mit sich brachte, die ein einzelner Mensch kaum noch bewältigen konnte und für die teilweise auch in der Materie kundige Helfer gebraucht wurden.484 Allerdings verblieb das Recht der letztendlichen Entscheidung v.a. im Bereich politischer Angelegenheiten immer beim König, so daß die Philoi aus formaler Sicht ohne jeglichen politischen Einfluß waren.485 Dieser Kreis und der König bildeten zusammen eine Gemeinschaft auf Basis von Eigeninteressen, indem die Philoi dem König in Notlagen hilfreich zur Seite stehen und in Zeiten nicht etablierter Dynastien der Herrschaft des königlichen Nachfolgers durch ihre Autorität zum Durchbruch verhelfen konnten.486 Die Philoi besaßen wiederum ein gewisses Interesse daran, daß der König auf seinem Thron blieb, indem sie diesem ihre herausragende Stellung verdankten. Da diese Funktion auf Freiwilligkeit beruhte, stellten Philoi auch immer ein äußeres Zeichen der Machtfülle dar. Denn sie versammelten sich in der Regel nur um einen König, bei dem sie einen gewissen Gewinn ziehen konnten, von dem sie also „Zuwendungen, Versprechungen und Machtbeteiligungen“ erwarten konnten.487

Dem homerischen Kontext kann aber auch das Ideal des im Krieg triumphierenden Königs, der zugleich im Felde sein Heer selber anführt, zugeordnet werden, aber auch die Rolle des Königs als εὐεργέτης, der wie ein Hirte um die Herde der Untertanen sorgt.488

 

 

Anmerkungen:

478 Walbank (1984)b, pp. 62 & 67; s.a. Schubart (1937)b, p. 272; Green (1990), p. 190; Green (2003), p. 259.

479 Stephens (2003), p. 252.

480 Carney (2003), p. 53.

481 Gehrke (2003), pp. 12 & 145-146.

482 Smith (1993), p. 207; s.a. Ritter (1965), pp. 55-62; Stanwick (2002), p. 35.

483 Walbank (1984)b, pp. 68-69; s.a. Gehrke (2003), p. 53.

484 Bengtson (1987), p. 63.

485 Walbank (1984)b, p. 69.

486 Walbank (1984)b, p. 70.

487 Seibert (1991), pp. 95 & 97-100 passim.

488 Green (1990), p. 190.

 

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