Dr. Christian A. Caroli – د. كْرِسْتْيَان أ. كَارُلِي

Auf dem Weg zum Rubikon

Caroli: Auf dem Weg zum Rubikon (Coverbild)

Christian A. Caroli:

Auf dem Weg zum Rubikon – Die Auseinandersetzungen zwischen Caesar und seinen politischen Gegnern 52-49 v. Chr.
 

Konstanz 2008 (badawi - artes afro arabica)
 

Umfang: X + 113 Seiten • Format: 24 x 17 cm • ISBN 13: 978-3-938828-25-0

Preis (bis 10/2015): EUR 29,95 (inkl. 7% MwSt.) • Preis (ab 11/2015): EUR 14,95 (inkl. 7% MwSt.)

 

 

A) Die Vorgeschichte

III.) Die politischen Ereignisse zwischen Caesars erstem Konsulat von 59 und dem dritten Konsulat des Pompeius von 52

b) Die Politik in Rom während des Gallischen Krieges

Während der Ausübung seiner Statthalterschaft in Gallien versuchte Caesar zur Kontrolle der politischen Ereignisse in Rom v.a. mittels Bestechungsgelder sich möglichst immer Anhänger bzw. ihm Gewogene unter den jährlichen Magistraten zu sichern.91 Trotzdem wurden die caesarfeindlichen Strömungen nicht vollkommen unterdrückt. So kündigte im Jahre 56 L. Domitius Ahenobarbus, einer der Praetoren von 58, die gegen Caesar vorzugehen versucht hatten (s. in A) II.) b) Die vorläufige Absicherung Caesars vor effektiven Nachstellungen durch die optimatischen Gegner), offen an, daß er im Falle seiner Wahl zum Konsul des folgenden Jahres die Ablösung Caesars als Statthalter über beide Gallien betreiben würde (Suet. Iul. 24,1 & Nero 2,2). Außerdem wurden im März caesarfreundliche Anträge der Volkstribunen durch den amtierenden Konsul Marcellinus hintertrieben (Cic. Q. fr. 2,4,4-5) und Versuche gestartet, die Ackergesetze Caesars aufzuheben (Cic. fam. 1,9,8 & Q. fr. 2,5,1).92 Pompeius näherte sich nach der Abreise Caesars nach Gallien aufgrund der immer ungezügelteren Agitationen des Clodius, der das Volkstribunat innehatte, zunehmend der Position der Optimaten an.93 Allerdings achtete er dabei immer darauf, seine freundschaftlichen Verbindungen zu Caesar nicht abzubrechen, indem er sich z.B. entgegen einem Ratschlag des 58 amtierenden Volkstribunen Q. Terentius Culleo weigerte, sich zwecks einer politischen Annäherung an die Senatselite von Iulia scheiden zu lassen.94 Es kam jedoch wieder zu einer Entzweiung zwischen Pompeius und den Optimaten,95 die ihre Wurzeln z.T. in seinem Verhalten während Caesars Konsulat hatte.96

Im April 56 wurde daraufhin bei Verhandlungen in Ravenna und Lucca eine erneute Vereinbarung zwischen Caesar, Pompeius und Crassus geschlossen.97 Ihr Ziel war dabei eine Machtverschränkung mittels eines gezielten Einsatzes aller Mittel und Anhänger einschließlich verschiedener Schlägerbanden. Dabei sollte Caesars Statthalterschaft, die zu den Konsulatswahlen für 55 und mit Wirkung zum 01.03.5498 an einen Nachfolger hätte übergeben werden können, unter Legalisierung der nicht vom Senat autorisierten Aushebungen um ein weiteres quinquennium verlängert werden (Suet. Iul. 24,1), während Crassus das als Ausgangspunkt eines Partherfeldzuges geeignete Syrien und Pompeius beide spanische Provinzen als militärische Machtbasis für ein quinquennium erhalten sollten. Zur Durchsetzung dieser Pläne sollten Pompeius und Crassus zusammen das Konsulat von 55 übernehmen.99 Außerdem wurde u.U. auch eine gemeinsame Liste für die Amtsbesetzungen der nächsten Jahre ausgearbeitet.100 Die Legitimierung der Aushebungen Caesars und die Bewilligung von zehn Legaten wurde vom Senat schon im Frühsommer des gleichen Jahres verabschiedet (Cic. Balb. 61 & prov. 28), u.U. weil er befürchtete, daß er sonst durch die Komitien erneut eine Niederlage gegenüber dem Dreierbund erleiden könnte.101 Die Konsulatswahlen wurden, da Caesar während der Winterpause eine große Menge seiner Soldaten zur Abstimmung nach Rom schicken konnte (Plut. Pomp. 51,4), durch Interzessionen des Volkstribunen C. Porcius Cato mehrfach nach hinten verzögert (Liv. epit. 105 & Dio 39,27,3). Außerdem wurden sämtliche Mitbewerber z.T. durch offenen Terror eingeschüchtert (Plut. Cato min. 41,2 & Crass. 15,2 & Dio 39,27,3 & App. civ. 2,17,64), da Cn. Cornelius Lentulus, einer der Konsuln von 56, die Bewerbung der beiden „Triumvirn“ aufgrund der Nichtbeachtung des Ausschlußtermin nicht anerkennen wollte (Dio 39,27,3).102 So wurden Pompeius und Crassus erst im eigentlichen Amtsjahr unter der Leitung eines interrex zu Konsuln gewählt, weswegen sie ihr Konsulat ohne vorherige Möglichkeit eines Prozesses wegen ambitus sofort antreten konnten.103 Dabei hatten sie das Feld schon in der Nacht zuvor durch ihre militärisch organisierten Anhänger besetzt.104 Außerdem kam es am Tag der Wahl zu Übergriffen auf M. Cato, dessen Wahl zum Praetor verhindert wurde, indem Pompeius beim ersten Wahlgang die Wahrnehmung eines Donners verkündete und bei der Wiederholung der Wahl Vatinius anstelle Catos durchgesetzt wurde.105 In von blutigsten Tumulten begleiteten Volksversammlungen wurden schließlich die lex Trebonia de provinciis consularibus, die den beiden Konsuln die gewünschten Provinzen zusammen mit der Berechtigung, beliebig viele Truppen auszuheben, für den Zeitraum eines quinquennium verlieh, und die lex Pompeia Licinia de provincia C. Iulii Caesaris,106 die Caesars Statthalterschaft um ein weiteres quinquennium verlängerte und eine Klausel beinhaltete, die jeglichen Beschluß über Caesars Provinzen vor dem 01.03.50 verbot, beschlossen.107

Die Wahl der beiden „Triumvirn“ zu Konsuln und die Geschehnisse während ihres Konsulats bedeuteten eine weitere herbe Demütigung der optimatischen Senatseliten. Dies bedeutete wiederum, daß sich das ohnehin schon hochgespannte Verhältnis zwischen den Optimaten und den einzelnen Mitgliedern des Dreierbundes erheblich verschlechtern mußte. Eine Aussöhnung schien damit immer unwahrscheinlicher zu werden. Allerdings waren die drei „Triumvirn“ allesamt in starken und gesicherten Positionen, denen, solange sie sich untereinander einig blieben, vorerst nichts von seiten des Senats entgegengesetzt werden konnte. Somit waren die Auseinandersetzungen zwischen Caesar und dem Senat weiterhin auf unbestimmte Zeit vertagt worden.

Das Schicksal sollte jedoch den „Triumvirn“ einen Strich durch die Rechnung ziehen. Im Jahre 54 starb Iulia, die, von Vater und Gatten innigst geliebt, die Beziehungen zwischen Caesar und Pompeius äußerst effektiv untermauert hatte (Vell. 2,47,2 & Plut. Caes. 23,4 & Pomp. 53,1-4 & App. civ. 2,19,68; s.a. Suet. Iul. 26,1). Zudem fiel Crassus am 07.06.53 im Kampf gegen die Parther (Plut. Pomp. 53,6 & App. civ. 2,18,66; s.a. Cic. off. 1,29).108 Damit änderte sich die machtpolitische Konstellation zwischen Caesar und Pompeius als den beiden überlebenden „Triumvirn“. Bis dahin war die Wahrscheinlichkeit für Caesar, daß die aufgrund der Vereinbarungen von Lucca gebildeten Heere des Pompeius und des Crassus gegen ihn verwendet werden könnten, äußerst gering gewesen. Denn die Heeresmacht dieser beiden hatte sich bis dahin aufgrund der gegenseitigen Antipathie ihrer beiden Feldherren nach außen hin neutralisiert.109 Nach dem Ausscheiden des Crassus mitsamt seines Heeres war die Heeresmacht des Pompeius wieder ungebunden, und von der strategischen Lage her stand einem Einsatz gegen Caesar nichts mehr im Wege.110 Dementsprechend bemerkt Meusel:111 „Der Tod des Crassus, der 53 im Partherkriege umkam, schärfte, so gering der Einfluß des Lebenden gewesen war, doch den nun durch nichts vermittelten Gegensatz der beiden allein sich gegenüberstehenden Nebenbuhler.“ Aber auch schon Asinius Pollio und einige ihm nachfolgende antike Autoren sahen in diesen beiden Ereignissen der Jahre 54 und 53 wichtige Vorstufen zum Auseinanderbrechen der Beziehungen zwischen Caesar und Pompeius.112 Denn, auch wenn diese Ereignisse eine gewaltsame Konfrontation zwischen Caesar und Pompeius nicht per se bedingten,113 verlief nun die machtpolitische Reibungslinie eindeutig und ohne jegliche Ablenkung durch dritte oder verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den beiden ehemaligen „Triumvirn“. Daher mußte eine Auseinandersetzung, bei der eine dritte Partei einen von beiden Feldherrn in ihren Kampf gegen den anderen einbinden würde, faktisch zu einem Konflikt zwischen Caesar und Pompeius werden.

Der Anlaß dafür ließ nicht lange auf sich warten. Der Wahlkampf für die Magistrate des Jahres 52 war, da sich Clodius um die Praetur und Milo um das Konsulat bewarben, mit allen Mitteln auf das erbittertste geführt worden, so daß die Wahlen 53 nicht hatten durchgeführt werden können und Anfang 52 auch die Bestellung eines interrex verhindert worden war (s. Dio 40,49,5). Am 18.01. stießen schließlich die beiden Erzfeinde mit ihren Banden aufeinander und lieferten sich eine erbitterte Straßenschlacht, in deren Verlauf Clodius auf Geheiß Milos ermordet wurde (Cic. Phil. 2,21 & 2,49 & Mil. 40 & Ascon. p. 33 St. & Dio 40,481-2 & App. civ. 2,20,74-21,76; s.a. Suet. Iul. 26,1). Tags darauf wurde die curia hostilia von Anhängern des Clodius niedergebrannt, um seine Leiche in ihr einzuäschern, und die Stadt daraufhin von Unruhen blutigster Art heimgesucht (Dio 40,48,3-49,4 & App. civ. 2,21,77-22,83). Damit hatte die Anarchie der mittleren fünfziger Jahre ihren Höhepunkt erreicht. Der Senat reagierte sofort, indem er mittels eines senatus consultum ultimum Pompeius beauftragte, in ganz Italia Aushebungen vorzunehmen.114 Schließlich wurde Pompeius vom Senat als consul sine collega eingesetzt, um in Rom die Ordnung wiederherzustellen.115

 

 

Anmerkungen:

91 Suet. Iul. 23,2 & Plut. Pomp. 51,2 & App. civ. 2,17,62; s.a. Meier (1982), p. 277; Gelzer (1960), p. 108.

92 Meyer (1922), pp. 136-137; s.a. Maschkin (1954), pp. 38-39; Cary (1962), p. 533; Taylor (1966), pp. 141-144.

93 Plut. Pomp. 49,2; s.a. Gelzer (1960), p. 102; Maschkin (1954), p. 37; Cary (1962), p. 533.

94 Plut. Pomp. 49,3; s.a. Gruen (1974), p. 108.

95 Cic. fam. 1,8,4; s.a. Meier (1982), pp. 325-327; Meyer (1922), p. 134; Miltner (1952), p. 2142; Gruen (1974), p. 100.

96 Gruen (1974), pp. 93-95.

97 Suet. Iul. 24,1; s.a. Will (1997), p. 914; Gelzer (1960), pp. 109-110; Cary (1962), pp. 534-535; Taylor (1966), p. 141; Gruen (1974), p. 100; Gesche (1976), pp. 59-66.

98 s. B) I.) b) Die lex Vatinia de provincia Caesaris.

99 Plut. Pomp. 51,3-4 & Cato min. 41,1 & Caes. 21,2-3 & Dio 39,27,1 & App. civ. 2,17,63; s.a. Gelzer (1959), pp. 151-152; Miltner (1952), p. 2145; Gelzer (1960), pp. 110-111; Cary (1962), p. 535; Gruen (1974), p. 101; Heuß (1976), p. 203.

100 ...ut non minus longas iam in codicillorum fastis futurorum consulum paginulas habeant quam factorum... (Cic. Att. 4,8A,2); s.a. Meyer (1922), p. 144; Meier (1965)b, p. 590.

101 Meier (1982), p. 335; s.a. Miltner (1952), p. 2146.

102 s. Cic. Att. 4,8A,2; s.a. Meier (1982), pp. 336-337; Gelzer (1959), p. 154; Gelzer (1960), p. 114; Cary (1962), p. 535.

103 Dio 39,27,3; s.a. Meyer (1922), p. 150; Taylor (1966), p. 144.

104 Plut. Crass. 15,3 & Dio 39,31,2; s.a. Meyer (1922), p. 154; Gelzer (1960), p. 115; Taylor (1966), p. 144.

105 Plut. Cato min. 42,1-4 & Pomp. 52,2 & Liv. epit. 105 & Dio 39,32,1; s.a. Meyer (1922), p. 155; Miltner (1953), p. 184; Gelzer (1960), p. 115.

106 s. B) I.) c) Die lex Pompeia Licinia de provincia C. Iulii Caesaris.

107 Plut. Cato min. 43,1-6 & Pomp. 52,3 & Crass. 15,5 & Dio 39,33,1-36,2 & App. civ. 2,18,65; s.a. Gelzer (1959), pp. 156-157; Miltner (1952), pp. 2149-2150; Miltner (1953), p. 184; Gelzer (1960), pp. 115-116; Meier (1982), p. 337.

108 Will (1997), p. 914; s.a. Meusel (1906), p. 3; Meyer (1922), p. 211; Maschkin (1954), pp. 41-42; Stocker (1960/61), p. 244; Adcock (1962), pp. 622-623; Haller (1967), pp. 130-132.

109 Marsh (1963), p. 212; s.a. Meier (1982), p. 364.

110 Marsh (1963), p. 215.

111 Meusel (1906), p. 3.

112 Decem annos traxit ista dominatio ex fide, quia mutuo metu tenebantur. Crassi morte apud Parthos, morte Iuliae Caesaris filiae, quae nupta Pompeio generi socerique concordiam matrimonii foedere continebat, statim aemulatio erupit. (Flor. 2,13,13); s.a. Plut. Caes. 23,4 & Pomp. 53,5-7 & Vell. 2,47,2 & Sen. ad Marc. 14,3 & Dio 41,57,4 & App. civ. 2,19,68; s.a. Haller (1967), pp. 130-132; Pohlenz (1965), p. 142.

113 Gruen (1974), p. 450.

114 Itaque primo factum erat S. C. ut interrex et tribuni pl. et Cn. Pompeius, qui pro cos. ad urbem erat, viderent ne quid detrimenti res p. caperet, dilectus autem Pompeius tota Italia haberet. (Ascon. p. 32 St.); Dio 40,49,5-50,1.

115 ...visum est optimatibus tutius esse eum [sc. Pompeium] consulem sine collega creari, et cum tractata ea res esset in senatu, facto in M. Bibuli sententiam S. C. Pompeius ab interrege Servio Sulpicio V Kal. Mart. mense intercalario consul creatus est statimque consulatum iniit. (Ascon. pp. 33-34 St.); Vell. 2,47,3 & Suet. Iul. 26,1 & Dio 40,50,4 & App. civ. 2,23,84; s.a. Meier (1982), pp. 364-365; Meyer (1922), pp. 214-218 & 222 n. 3; Syme (1939), p. 39; Gelzer (1960), p. 135; Adcock (1962), pp. 624-625; Marsh (1963), p. 217; Taylor (1966), p. 149; Will (1997), p. 914.

 

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