Dr. Christian A. Caroli – د. كْرِسْتْيَان أ. كَارُلِي

Auf dem Weg zum Rubikon

Caroli: Auf dem Weg zum Rubikon (Coverbild)

Christian A. Caroli:

Auf dem Weg zum Rubikon – Die Auseinandersetzungen zwischen Caesar und seinen politischen Gegnern 52-49 v. Chr.
 

Konstanz 2008 (badawi - artes afro arabica)
 

Umfang: X + 113 Seiten • Format: 24 x 17 cm • ISBN 13: 978-3-938828-25-0

Preis (bis 10/2015): EUR 29,95 (inkl. 7% MwSt.) • Preis (ab 11/2015): EUR 14,95 (inkl. 7% MwSt.)

 

 

B) Die Grundlagen der politischen Auseinandersetzungen im Vorfelde des Ausbruches des Bürgerkrieges (Die „Rechtsfrage“)

II.) Der Streit um die absentis ratio

c) Der Streit um das Privileg der Konsulatsbewerbung in absentia

Da Caesar auf die Wahrung seines imperium in vollem Ausmaß bis zu seinem Amtsantritt als Konsul bestand, erregte er den Widerstand des Pompeius. Dieser billigte zwar ein zweites Konsulat Caesars, stellte aber eine vorherige Abgabe von Heer und Provinzen, und zwar anfangs bis spätestens 13.11.50,259 als Grundbedingung.260 Sonst hätte Caesar rechtlich nicht mehr zur Entlassung seines Heeres gezwungen werden können,261 so daß er Gallien mitsamt stimmberechtigten Bürgern und damit zumindest bei großangelegten gesetzgeberischen Aktionen die römischen Volksversammlungen weiterhin unter Kontrolle gehabt hätte.262 So wußte Pompeius schon aus seiner eigenen Karriere, daß man mit einem stehenden Heer jederzeit die Politik beeinflussen kann, wie auch er selbst und Crassus mit ihren Heeren das gemeinsame Konsulat erpreßt hatten. Das Privileg tastete Pompeius in seinen Forderungen dagegen nicht an, so daß z.B. Cicero bei einer Einigung zwischen den beiden Kontrahenten keine Probleme mehr bezüglich Caesars zweiten Konsulats sah.263 Zwischen Pompeius und Caesar war also im Jahre 50 nicht das Privileg, sondern der Zeitpunkt des Rücktritts Caesars als Prokonsul mit Heer und Provinz die zentrale Frage. Dies bedeutet wiederum, daß die Streitfrage der ratio absentis nicht beinhaltete, welches Enddatum der Statthalterschaft das Plebiszit vorgegeben habe,264 sondern allein, zu welchem Zeitpunkt Caesar seine Machtmittel auf ein für die res publica verträgliches Ausmaß reduzieren sollte, während ihm von Pompeius jederzeit zugestanden wurde, sich in Abwesenheit um das Konsulat zu bewerben. Daher war Pompeius auch noch in der ersten Januarwoche 49 damit einverstanden, daß Caesar Illyrien samt einer einzigen Legion als titulus provinciae bis zu seinem angestrebten zweiten Konsulat behalten dürfe, wenn er den Rest abgebe.265 Dies war wohl recht offensichtlich mit dem Zugeständnis einer Amtsbewerbung in absentia verbunden.266 Pompeius war im Falle eines zweiten Konsulates Caesars dadurch abgesichert, daß sein eigenes Prokonsulat über diesen Zeitraum hinaus andauerte.267 Des weiteren war Pompeius, falls Caesar sein Herr wirklich entlassen sollte, durch sein eigenes ihm verbleibendes Heereskommando der eindeutig Stärkere.268 Auf jeden Fall wäre ein zweites Konsulat Caesars für Pompeius weniger gefährlich gewesen als ein durch den gallischen Krieg so hochgerüsteter Gegner. Caesar aber wäre durch seine weitgehende Entwaffnung in Nachteil geraten, weil er als „unbewaffneter“ Konsul nichts gegen Pompeius als hochgerüsteten Prokonsul über beide Spanien und nichts gegen einen von diesem beschützten Senat hätte ausrichten können, so daß er von der Gunst des Pompeius abhängig gewesen wäre.269 Denn die Masse der Veteranen Caesars270 wäre wahrscheinlich innenpolitisch recht bedeutungslos geworden, da sie mangels einer militärischen Organisation gegen ein offiziell organisiertes Heer von der Stärke, wie es Pompeius in Spanien zur Verfügung hatte, ins Hintertreffen geraten mußten und bei einem offenen Aufstand immer noch die Gefahr bestand, daß die spanischen Heere des Pompeius, denen dann auch der Landweg durch Gallien hindurch offengestanden wäre, eingesetzt würden. Schließlich konnte der potentielle Druck durch die Veteranen Caesars auch leicht dadurch gemildert werde, daß man sie mit Landzuteilungen zufriedenstellte.

Erst durch das Ultimatum des Scipio vom 01.01.49 wurde ein erster Beschluß, daß Caesars Privileg verfallen sei, gefaßt.271 Dieser kam jedoch aufgrund tribunizischer Interzessionen erst nach dem senatus consultum ultimum vom 07.01.49 rechtsgültig zustande. Dadurch wurde die Beibehaltung eines imperium unsinnig, da Caesar zur Wahl erscheinen mußte und damit durch das Betreten Roms zum gerichtlich belangbaren privatus geworden wäre. Daher mußte er zwecks seines eigenen politischen Überlebens seine Forderungen minimieren. Dies machte er auch mittels seiner Unterhändler bis hin zu dem Eingeständnis, nur noch Illyrien mit einer Legion zu behalten, während er jedoch bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges starr an seinem Privileg festhielt (Plut. Caes. 31,1). Man kann in dieser Sache wohl zu Recht der Verhaltensweise der Optimaten eine gewisse Unbilligkeit zuschreiben (s.a. Cic. Att. 9,11A,2), aber man muß auch bedenken, daß Caesar schon die ganze Zeit seine politischen Ziele ohne jegliche Rücksicht auf seine Gegner, unter Ausschöpfung aller möglichen Gesetze und unter maßloser Ausnutzung der tribunizischen Interzession verfolgt hatte.272 Daher darf es nicht verwundern, wenn auch die Optimaten in ihrem Kampf gegen Caesar alle zur Verfügung stehenden Mittel anwendeten.

 

 

Anmerkungen:

259 Meyer (1922), p. 264.

260 Quod ad rem publicam attinet, in unam causam omnis contentio coniecta est, de provinciis; in quam adhuc incubuisse cum senatu Pompeius videtur, ut Caesar Id. Novemb. Decedat [...] Valde non vult, et plane timet, Caesarem consulem designari prius quam exercitum et provinciam tradiderit. (Cic. fam. 8,11,3); s.a. fam. 8,8,9 & 8,9,5 & 8,13,2.

261 Nissen (1881), p. 60; s.a. Marsh (1963), p. 220.

262 Hirt. Gall. 8,50-51, bes. 8,50,3-4: ...tamen non minus iustam sibi causam municipia et colonias adeundi existimavit, ut eis gratias ageret, quod frequentiam atque officium suum Antonio praestitissent, simulque se et honorem suum sequentis anni commendaret.; s.a. Raaflaub (1974)a, pp. 132-133 c. n. 115; Stocker (1960/61), pp. 246-247; Jameson (1970), pp. 657-658.

263 Dices profecto persuaderi illi, ut tradat exercitum et ita consul fiat. Est omnino id eius modi, ut, si ille eo descendat, contra dici nihil possit, id que eum, si non obtinet, ut ratio habeatur retinentis exercitum, non facere miror. (Cic. Att. 7,9,3); s.a. Att. 7,4,3.

264 Laqueur (1921), pp. 243-244.

265 s. C) III.) b) Die Verhandlungen in den Tagen zwischen dem Ultimatum des Scipio und dem senatus consultum ultimum.

266 Raaflaub (1974)a, pp. 133-134.

267 Gelzer (1959), p. 179; s.a. Holmes (1923), Bd. II, p. 238; Marsh (1963), p. 220; Raaflaub (1975), p. 258.

268 Gelzer (1959), p. 193; s.a. Marsh (1963), p. 220.

269 Gelzer (1963), p. 224; s.a. Marsh (1963), p. 221.

270 s. Ehrhardt (1995), pp. 32-33, der auf diesen potentiellen Machtfaktor hinweist.

271 ...privatus in urbem veniret et se in petitione consulatus suffragiis populi Romani committeret decrevere [sc. patres] (Vell. 2,49,4); s.a. Suet. Iul. 29,2 & Flor. 2,13,16.

272 Raaflaub (1974)a, pp. 134-136.

 

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