Dr. Christian A. Caroli – د. كْرِسْتْيَان أ. كَارُلِي

Physikotheologie

As-Sabil-Sammelbände für Kulturpluralismus, Band 2: Das Aufeinandertreffen von Kulturen (Coverbild)

Christian A. Caroli:

Physikotheologie: Die Natur und ihre Wissenschaften als Glanz Gottes in der Frühaufklärung

 

publiziert in:

Mohamed BadawiChristian A. Caroli (Hrg.):

As-Sabil-Sammelbände für Kulturpluralismus ;

Band 2: Das Aufeinandertreffen von Kulturen,

S. 177-230.
 

Konstanz 2009 (badawi - artes afro arabica)
 

Umfang: 230 Seiten • Format: 24 x 17 cm • ISBN 13: 978-3-938828-26-7

Preis (bis 10/2015): EUR 29,95 (inkl. 7% MwSt.) • Preis (ab 11/2015): EUR 14,95 (inkl. 7% MwSt.)

 

 

4. Die geschichtliche Entwicklung und die Hauptvertreter der Physikotheologie

4.2. Deutsche Vertreter

4.2.1. Johann Albert Fabricius

Neben seiner Vermittlerrolle bezüglich der englischen Physikotheologie war der Hamburger Universalgelehrte Johann Albert Fabricius (1668-1736), der die Werke Derhams ins Deutsche übersetzte, auch einer der bedeutendsten deutschen Vertreter dieser geistigen Strömung, der u.a. auch das Vorwort zu zahlreichen physikotheologischen Werken verfertigte.237

Selber verfaßte er die physikotheologischen Werke Hydrotheologie (Wasser), Pyrotheologie (Feuer), Aërotheologie (Luft) und Ocular-Theologie. In den Entwürfen zu diesen Werken ließ er hierbei jedesmal auf neun Bücher naturwissenschaftlichen Inhalts eines theologischen Inhalts folgen, in dem die „Anwendung“ der naturwissenschaftlichen Ergebnisse „zum ehrerbietigen Dank und Lobe des großen Schöpfers (Fabricius, Hydrotheologie 1,2) dargestellt wurde. Allerdings liegen die meisten seiner Werke nur als handschriftliche Entwürfe vor, während allein der Entwurf der ersten drei Bücher der Hydrotheologie vollständig gedruckt wurde, von denen das erste die physikalischen Eigenschaften des Wassers, das zweite und dritte Buch zuvorderst „geographische Aspekte des Wassers“ aufzeigten.238 Hierbei griff er bei seinen Ausführungen immer wieder auf aktuelle Erkenntnisse der zeitgenössischen Naturwissenschaften zurück.239

Im Gegensatz zu Burnet (s. in 2.3. Die Überwindung des Pessimismus) betonte er, daß die Veränderungsprozesse in der Natur zwar aus der lokalen Perspektive als Verschlechterungen und Verfallserscheinungen gedeutet werden könnten, aber aus der Gesamtperspektive heraus das natürliche System als ganzes konstant bleibe bzw. sich sogar verbessere, was am deutlichsten durch den Wasserkreislauf und auch durch den geologischen Kreislauf gesehen werden könne, da dieser seit der Schöpfung beständig funktioniere, so daß es immer noch unerschöpfliche Wasservorräte gebe. Die Stabilität der Natur werde hierbei durch die providentia Gottes gewährleistet, durch die die sinnvollen Beziehungen zwischen den einzelnen Komponenten der Natur und den Naturprozessen geschaffen und erhalten würden, so daß sie „zusammenwirken und nicht chaotisch auseinanderstreben“. Dabei verkörpere der Nutzen für den Menschen nur einen Teilaspekt des von Gott gegebenen Gesamtsinnes der Natur, da die einzelnen Komponenten und Prozesse der Natur ihren Sinn auch für andere Bereiche der Natur hätten. Dadurch entstehe eine „aufeinander abgestimmte Zuordnung“ als „Einheit der Wirklichkeit“ und damit eine nicht anthropozentrisch zirkuläre Teleologie. Das Streben der Natur nach Vollkommenheit lasse nun die Bearbeitung nicht nur zu, sondern mache sie für den Menschen in Form der Kultivierung zur göttlichen Pflicht, wobei der Mensch hier auch Fehlgriffe machen könne, die zu Katastrophen führten.240

Jedoch ging Fabricius davon aus, daß die Erkenntnis Gottes nicht vollkommen ohne die Heilige Schrift möglich sei, so daß er an seine Hydrotheologie eine Sammlung von biblischen Zitaten über die Weisen der Lenkung der Welt durch Gott anhängte.241 Dementsprechend sah er ein, daß aus demselben Grunde ein Gottesbeweis unmöglich sei.242

Auch war er wohl durch die Beeinflussung durch seinen Lehrer und „Doktorvater“ Johann Friedrich Mayer, der im „Hamburger Priesterstreit“ den Alleinanspruch des Evangeliums als Endpunkt der Religionsgeschichte gegenüber allen Richtungen mit Tendenzen zur Religionsgeschichte wie Spinozismus, Jesuitismus, Pietismus etc. auf das härteste verteidigte, niemals in der Lage gewesen, die Positionen des Evangeliums zugunsten rationalistischer, pantheistischer oder mystischer aufzugeben.243

 

 

Anmerkungen:

237 Krolzik (1996), p. 593; s.a. Philipp (1957), p. 34; Krolzik (1988), p. 133.

238 Krolzik (1996), p. 593; s.a. Krolzik (1988), pp. 138-140; Michel (2008), pp. 127-128.

239 Krolzik (1988), p. 141-142.

240 Krolzik (1996), p. 593; s.a. Krolzik (1988), pp. 178-181.

241 Büttner / Richter (1995), p. 275; Krolzik (1988), p. 172.

242 Büttner / Richter (1995), p. 18.

243 Philipp (1957), pp. 35-36; s.a. Krolzik (1988), pp. 173-174.

 

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