Dr. Christian A. Caroli – د. كْرِسْتْيَان أ. كَارُلِي

Physikotheologie

As-Sabil-Sammelbände für Kulturpluralismus, Band 2: Das Aufeinandertreffen von Kulturen (Coverbild)

Christian A. Caroli:

Physikotheologie: Die Natur und ihre Wissenschaften als Glanz Gottes in der Frühaufklärung

 

publiziert in:

Mohamed BadawiChristian A. Caroli (Hrg.):

As-Sabil-Sammelbände für Kulturpluralismus;

Band 2: Das Aufeinandertreffen von Kulturen,

S. 177-230.
 

Konstanz 2009 (badawi - artes afro arabica)
 

Umfang: 230 Seiten • Format: 24 x 17 cm • ISBN 13: 978-3-938828-26-7

Preis (bis 10/2015): EUR 29,95 (inkl. 7% MwSt.) • Preis (ab 11/2015): EUR 14,95 (inkl. 7% MwSt.)

 

 

4. Die geschichtliche Entwicklung und die Hauptvertreter der Physikotheologie

4.2. Deutsche Vertreter

4.2.3. Hermann Samuel Reimarus

Der Theologe Hermann Samuel Reimarus (1694-1768), ein Schwiegersohn von Fabricius, veröffentlichte 1754 seine Abhandlungen über die vornehmsten Wahrheiten der natürlichen Religion, die 1782 in der fünften Auflage erschienen. Hierin behauptete er aus einer deistischen Grundanschauung, daß ein Studium des menschlichen Herzens und der Natur den gleichen Nutzen zur Ergründung des wahren Glaubens habe wie der Katechismus.250 Er ging auch davon aus, daß Jesus in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der wahren Vernunft die reinste und beste Religion offenbart habe und versuchte einen erweiterten und ausgetieften physikotheologischen Gottesbeweis anhand der Ordnung und des teleologischen Prinzips der „geschöpflichen Welt“ durchzuführen. Er erörterte in seinem Werk den Ursprung der Tiere und dann den des Menschen durch das Wirken einer überweltlichen bzw. übernatürlichen Ursache und danach die körperliche Welt. Nach einer anschließenden Behandlung Gottes behandelte er die göttlichen Pläne in der Welt, im Tierreich und beim Menschen an sich und bei seiner Seele. Unter der Überschrift „Von der göttlichen Vorsehung“ führte er auch einen Vergleich zwischen Menschen und Tieren durch. Außerdem folgte noch eine Abhandlung über die Unsterblichkeit der Seele.251

In seiner Apologie oder Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes (1736-1768), die auszugsweise von Lessing zwischen 1774 und 1778 als sieben Fragmente eines Ungenannten publiziert wurde, stellte er schließlich die Überlieferung der Bibel mit dem Hinweis auf die Wahrheitsproblematik der biblischen Wunder und Weissagungsbeweise bzw. die moralische Integrität der Patriarchen in Frage. Auch sei das Lehrsystem der Orthodoxie nicht dazu geeignet, als eine angemessene Interpretation des göttlichen Heilplanes dem Menschen gegenüber zu dienen. In diesen Ausführungen wurde zwar teilweise die Botschaft Jesu von Kritik verschont, er jedoch wegen seines eigenen Messiasverständnisses vernichtend kritisiert und bezüglich der Auferstehung Jesu eine Betrugstheorie aufgestellt, gemäß der die Apostel den Leichnam aus dem Grabe geraubt hätten.252

 

 

Anmerkungen:

250 Gestrich (1981), p. 402; s.a. Schultze (1997), p. 471.

251 Schmidt (1979)b, p. 599; s.a. Michel (2008), pp. 136-137.

252 Schultze (1997), pp. 471-472; s.a. Michel (2008), pp. 133-134.

 

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