Dr. Christian A. Caroli – د. كْرِسْتْيَان أ. كَارُلِي

Die Nihal European University in Sudan

Konzept zur Gründung einer europäischen Universität im afrikanisch-arabischen Raum – Die Nihal European University in Sudan (Coverbild)

Planungskommission der Nihal European University in Sudan (Hrg.):

Konzept zur Gründung einer europäischen Universität im afrikanisch-arabischen Raum – Die Nihal European University in Sudan (dt./engl.)
 

Konstanz 2007 (badawi - artes afro arabica)
 

Umfang: 119 Seiten dt. + 113 Seiten engl. • Format: 21 x 14,8 cm (A5) • ISBN 13: 978-3-938828-16-8

Preis (bis 10/2015): EUR 24,99 (inkl. 7% MwSt.) • Preis (ab 11/2015): EUR 14,95 (inkl. 7% MwSt.)

 

 

Konzept – Teil A: Planung einer Universität nach europäischen Standards im Großraum Khartum

III.) Interessen und Ziele im Zusammenhang mit der Gründung einer Universität und eines Bildungssystems nach europäischen Standards

Wie viele andere Länder dieser Region befindet sich der Sudan momentan in einer Zeit des strukturellen Wandels v.a. in den Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft. Seit einigen Jahrzehnten treffen im Rahmen der Globalisierung moderne westliche Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen auf ein Land, das im wesentlichen noch durch traditionelle Wirtschafts- und Lebensweisen geprägt ist. So ist die Wirtschaft selbst in den städtischen Zentren noch durch das Einzel- und Kleingewerbe geprägt, indem z.B. jede größere Straße ihren eigenen Lebensmittelladen besitzt. Zugleich herrschen noch die klassischen auf Familie und lokales Umfeld (wie Dorf oder Stadtteil) basierenden Gesellschaftsstrukturen vor. Beide sind durch die moderne globalisierte Weltwirtschaft gefährdet und werden ohne Veränderungen nicht fortbestehen können. Jedoch müssen das Land und die Leute auf diesen Umbruch vorbereitet werden und zugleich eine Lösung gefunden werden, wie trotz den Anforderungen der modernen Industriegesellschaft die kulturelle Identität in einem höchstmöglichen Maße gewahrt werden kann. Denn ein Wandel, der nicht auf die Gefühle und Werte der Betroffenen eingeht, provoziert, wie die Erfahrung v.a. auch im Umgang mit dem arabisch und islamisch geprägten Orient zeigt, einen Widerstand, der sich auf Traditionalismen beruft und im schlimmsten Falle zumindest bei einer Minderheit zu einem weltanschaulichen Fanatismus führen kann. Ganz werden sich solche Reaktionen niemals beseitigen lassen, zumal da sie schon hervorgerufen worden sind und die Ressentiments gegen den Westen und seine Gesellschaft eine breite Basis gefunden haben, aber es kann v.a. auch durch Eingehen auf die Bedürfnisse und Gefühle der Betroffenen versucht werden, diesen Ressentiments zu begegnen und einen modus vivendi zu finden.

Ein Bildungssystem nach europäischem Standard müßte dementsprechend eine solche Mittlerfunktion übernehmen, indem es versucht, gerade diese Probleme und Bedürfnisse zu erkennen und ein Verständnis für diese in der europäischen Welt aufzubauen, aber auch die Bevölkerung im Sudan und im Nahen Osten über Europa aufzuklären und europäisches Gedankengut verständlich zu machen. Im sudanesischen Interesse stünde dagegen die Tatsache, daß die Nihal European University in Sudan und die geplanten anderen Bildungseinrichtungen als Institutionen außerhalb der inneren Parteiungen und Ethnien des Sudan als vermittelndes Forum für den sudanesischen Kulturpluralismus über Kultur- und Religionsgrenzen hinweg dienen und somit den inneren Frieden und Zusammenhalt des Landes stärken können. Hierbei kann die Nihal European University in Sudan auch ihren Beitrag leisten, dem Land aus seiner weltpolitischen Isolation herauszuhelfen; insbesondere die kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Europa und dem Sudan könnten hierdurch verbessert werden, wobei aber auch der Dialog mit den Nachbarstaaten immer eine gewisse Rolle spielen soll.

Zugleich würde ein Bildungssystem v.a. darin seinen Zweck finden, heranwachsende Sudanesen auf die neuen Situationen einer globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts vorzubereiten. Das Ziel würde hierbei aber nicht nur darin bestehen, daß die Absolventen sich in dieser neuen Welt zurechtfinden, sondern daß sie auch in der Lage sind, diese v.a. im Sudan selber kräftig mitzugestalten und nachhaltig eine Zukunft für ihr Land und seine Gesellschaft zu schaffen, die es seinen Bewohnern ermöglicht, ihre jeweilige kulturelle Identität zu wahren und notwendige strukturelle Wandel nicht zu hart ausfallen zu lassen. Gleichzeitig sollen die Absolventen durch ihre Qualifikation und die Sensibilisierung zum Respekt gegenüber Personen anderen kulturellen Hintergrunds die Möglichkeit erhalten auf dem internationalen, globalisierten Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu sein und sich durchzusetzen, so daß sie der globalwirtschaftlichen Proletarisierung entgehen können. Durch diese Mitgestaltung und Abfederung könnten sie und damit indirekt auch die Nihal European University in Sudan auch das Konfliktpotential zum „Kampf der Kulturen“ mindern.

 

 

 

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