Dr. Christian A. Caroli – د. كْرِسْتْيَان أ. كَارُلِي

Die Nihal European University in Sudan

Konzept zur Gründung einer europäischen Universität im afrikanisch-arabischen Raum – Die Nihal European University in Sudan (Coverbild)

Planungskommission der Nihal European University in Sudan (Hrg.):

Konzept zur Gründung einer europäischen Universität im afrikanisch-arabischen Raum – Die Nihal European University in Sudan (dt./engl.)
 

Konstanz 2007 (badawi - artes afro arabica)
 

Umfang: 119 Seiten dt. + 113 Seiten engl. • Format: 21 x 14,8 cm (A5) • ISBN 13: 978-3-938828-16-8

Preis (bis 10/2015): EUR 24,99 (inkl. 7% MwSt.) • Preis (ab 11/2015): EUR 14,95 (inkl. 7% MwSt.)

 

 

Konzept – Teil D: Einrichtungen, Verfassung und Organe der Nihal European University in Sudan

III.) Institute

c) Institut für Lehrerausbildung

Die Nihal European University in Sudan stellt sich als eine ihrer Aufgaben – v.a. im Sinne einer aktiven Förderung des allgemeinen Bildungsniveaus – die Ausbildung von qualifizierten Lehrkräften, insbesondere für die Schulen und Sprachschulen im Sudan, aber auch für den Einsatz im zu errichtenden durchgängigen Bildungssystem nach europäischen Standards, dessen Teil die Nihal European University in Sudan werden soll.

 

1.) Bedarf an Lehrkräften

Seit den siebziger Jahren leidet das sudanesische Bildungssystem, das nach der Unabhängigkeit des Landes zum 1. Januar 1956 zunächst noch für sein hohes Niveau bekannt gewesen war, v.a. aufgrund der inneren Konflikte, neben einer starken Unterfinanzierung unter einem prekären Mangel an fachlich und pädagogisch ausreichend qualifizierten Lehrkräften und erreicht hierdurch bei einem Großteil der Absolventen nicht den für die Aufnahme eines Studiums wünschenswerten Bildungsstandard. Manche internationale Institutionen gehen sogar von einer Alphabetisierungsrate von lediglich 61% aus. Die sudanesische Regierung selbst bemüht sich mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, das allgemeine Bildungsniveau zu steigern. Dementsprechend wird die Gründung neuer Schulen gefördert. Gleichzeitig werden auch die Schulen im Rahmen des zu errichtenden durchgängigen Bildungssystems nach europäischen Standards einen Teil dieser auszubildenden Lehrkräfte benötigen.

Neben den allgemeinbildenden Schulen besteht in einem Land wie dem Sudan grundsätzlich der Bedarf an Sprachschulen, die es den Sudanesen und Sudanesinnen ermöglichen, international gängige Sprachen zu erlernen, um somit für den modernen globalisierten Markt vorbereitet zu sein und auf diesem konkurrieren zu können oder auch um lediglich mit ausländischen Investoren, Geschäftspartnern, Vorgesetzten, Arbeitskollegen oder Touristen kommunizieren zu können. So wird v.a. die Erlernung der englischen Sprache als lingua Franca der internationalen Wirtschaft in immer mehr Berufsfeldern unumgänglich werden.

Hinzu kommt noch die Möglichkeit Arabischlehrer auszubilden, die außerhalb des Sudans und der arabischen Welt im Ausland lebenden Sudanesen Sprach- und Heimatkundeunterricht erteilen können.

Im Sinne der Anerkennung der Abschlüsse der Schulen im Rahmen des durchgängigen Bildungssystems nach europäischen Standards wird es allerdings auf Dauer unumgänglich bleiben, daß zur Durchführung amtlicher Handlungen (z.B. Prüfungen) Lehrkräfte aus Europa auf dem Amtswege entsandt werden.

 

2.) Prinzipien und Form der Lehrerausbildung

Die Lehrerausbildung soll aufgrund der hohen Bedeutung dieses Bereiches anfänglich v.a. im Bereich der Sprachwissenschaften erfolgen. Dementsprechend lauten die Lehramtsfächer:

  • Englisch
  • Deutsch
  • Spanisch
  • Französisch
  • Arabisch

 

In einer zweiten Phase sollen noch stufenweise die Fächer Informatik und Wirtschaftskunde eingeführt werden.

Im Bereich des Arabischen sollen auch Lehrkräfte ausgebildet werden, die Sudanesen und Sudanesinnen, die außerhalb des Sudans und der arabischen Welt leben, insbesondere im Schulalter, in ihrer Muttersprache unterrichten und ihnen die Grundlagen der sudanesischen Landeskunde vermitteln.

Ein weiteres Ziel besteht auch in der Ausbildung von Lehrkräften, die in der Lage sind, nicht nur auf Arabisch, sondern auch in einer gängigen europäischen Fremdsprache zu unterrichten. Diese könnten so u.a. im Sudan weilenden Ausländern arabischen Sprachunterricht erteilen, aber auch z.B. an den Einrichtungen des durchgängigen Bildungssystems nach europäischen Standards im Rahmen der Nihal European University in Sudan oder an anderen ausländischen Einrichtungen ihre Lehrtätigkeit aufnehmen. Dadurch könnte an diesen Einrichtungen beispielsweise ermöglicht werden, daß die jeweilige Fremdsprache auch außerhalb des eigentlichen Unterrichts als Kommunikationssprache benutzt wird.

In bezug auf die inhaltlichen Anforderungen an einen Lehramtsstudiengang wird eine weitestgehende Gleichheit mit den Bachelorstudiengängen der jeweiligen Fachrichtungen angestrebt, um den Studierenden hierdurch die Möglichkeit eines Doppelabschlusses zu geben, so daß sie in ihrer Berufswahl flexibel bleiben. Der hauptsächliche Unterschied zu den Bachelorstudiengängen bestünde dann v.a. darin, daß – bei einer gleichzeitigen Reduzierung der zu besuchenden Kurse für Schlüsselqualifikationen – zusätzlich Kurse zur pädagogischen und didaktischen Befähigung besucht werden müßten (ca.SWS Pädagogik und 2 bzw.SWS Fachdidaktik). Gleichzeitig können auch die Möglichkeiten der Fächerkombinationen erheblich eingeschränkt werden. Ein Nebeneffekt dieser weitgehenden Ähnlichkeit der Studiengänge bestünde dann auch darin, daß der spezielle Lehraufwand zur Ausbildung von Lehrkräften relativ gering wäre.

Entsprechend der Natur der Lehramtsstudiengänge sollen die im Rahmen dieser abzuleistenden Praktika möglichst an Schulen und anderen Lehreinrichtungen stattfinden. Hierbei soll sich die Universität um Kooperationen mit den geeigneten Lehreinrichtungen vor Ort bemühen. Gleichzeitig sollten die Institutionen des durchgängigen Bildungssystems nach europäischen Standards, wenn einst errichtet, entsprechende Praktikaplätze anbieten.

 

3.) Profil

Im Sinne des Konzeptes der Nihal European University in Sudan und ihrer Bildungsideale sollen die Lehramtsstudierenden nicht allein im Bereich der fachlichen Kompetenz ausgebildet werden, sondern auch dazu angehalten und befähigt werden, ihren Beitrag bei der Vermittlung zur allgemeinen Akzeptanz des sudanesischen Kulturpluralismus und zur Toleranz einerseits und bei der Weitergabe der notwendigen Bildungsinhalte, die in einer modernen Gesellschaft vorausgesetzt werden, andererseits, zu leisten.

In diesem Sinne sollten die abgehenden Lehrkräfte auch imstande sein, ihre eigenen Schüler und Schülerinnen zum selbständigen Denken, zur selbständigen Ordnung ihres Wissens und zum selbständigen Erwerb weiteren Wissens anzuleiten und somit ein einfaches Auswendiglernen des erworbenen Wissens zu vermeiden.

 

4.) Gewinnung von Lehramtsstudierenden und deren Anregung zur darauffolgenden Ausübung des Lehrerberufes

Insbesondere in Anbetracht der allgemeinen schlechten finanziellen Lage an den sudanesischen Schulen und damit verbunden der finanziellen Unattraktivität des Lehrerberufes an den Schulen müssen Methoden gefunden werden, die Aufnahme des Lehramtstudiums und des Lehrerberufes v.a. an einer Schule im Sudan attraktiver zu machen.

Neben der ausreichenden Bezahlung der Lehrkräfte an den Schulen im Rahmen des durchgängigen Bildungssystems nach europäischen Standards besteht die Hauptmöglichkeit der Nihal European University in Sudan darin, entsprechend den finanziellen Mitteln spezielle Lehramtsstipendien zu vergeben. Diese würden hierbei in Form von Darlehen angeboten, die zunächst gestundet werden, wenn der Absolvent oder die Absolventin spätestens nach 24 Monaten nach Abschluß der Förderung den Lehramtsberuf ergreift, und schließlich vollständig erlassen werden, wenn er oder sie mindestens fünf Jahre lang regulär als Lehrer bzw. Lehrerin an einer Schule im Sudan bzw. der sudanesischen Regierung im Ausland gearbeitet hat.

 

5.) Die Aufgaben des Instituts für Lehrerausbildung

Aufgrund der Anlehnung der Lehramtsstudiengänge an die regulären Bachelorstudiengänge der jeweiligen Fächer wird die Hauptaufgabe des Instituts für Lehrerausbildung im Angebot der für das Lehramtsstudium spezifischen Studienelemente und in der Vermittlung von Praktika für Lehramtsstudenten bestehen. Dies bedeutet insbesondere, daß von diesem Institut v.a. die pädagogischen Grundlagen des Lehrerberufes an die Studierenden weitervermittelt werden. Dementsprechend müssen hierzu auch Pädagogikdozenten angestellt werden, wobei hier zunächst zwei bis drei Kräfte reichen dürften. Für die fachdidaktischen Kurse sollen hingegen die jeweiligen Fachbereiche bzw. Fachgruppen dem Institut das entsprechende Deputat einer Lehrkraft bereitstellen.

Aufgrund seines fakultätsübergreifenden Charakters soll dieses Institut außerhalb der Fakultäten direkt der Zentralverwaltung untergeordnet werden und mit der zentralen Prüfungsstelle zusammenarbeiten. Gleichzeitig soll das Institut in stetem Kontakt mit den verschiedenen Fakultäten und Fachbereichen stehen, mit denen die verschiedenen Lehramtsstudiengänge jeweils inhaltlich verbunden sind.

 

Die offizielle Internetpräsenz dieses Projektes finden Sie unter http://www.nihal.org.

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