Dr. Christian A. Caroli – د. كْرِسْتْيَان أ. كَارُلِي

Die Nihal European University in Sudan

Konzept zur Gründung einer europäischen Universität im afrikanisch-arabischen Raum – Die Nihal European University in Sudan (Coverbild)

Planungskommission der Nihal European University in Sudan (Hrg.):

Konzept zur Gründung einer europäischen Universität im afrikanisch-arabischen Raum – Die Nihal European University in Sudan (dt./engl.)
 

Konstanz 2007 (badawi - artes afro arabica)
 

Umfang: 119 Seiten dt. + 113 Seiten engl. • Format: 21 x 14,8 cm (A5) • ISBN 13: 978-3-938828-16-8

Preis (bis 10/2015): EUR 24,99 (inkl. 7% MwSt.) • Preis (ab 11/2015): EUR 14,95 (inkl. 7% MwSt.)

 

 

Konzept – Teil D: Einrichtungen, Verfassung und Organe der Nihal European University in Sudan

I.) Fakultäten und Fachbereiche

a) Geisteswissenschaftliche Fakultät

4.) Der Fachbereich Sprachwissenschaften, Fachgruppe Semitische Sprachen
α) Profil

Im Rahmen der Fachgruppe Semitische Sprachen des Fachbereiches Sprachwissenschaften der Nihal European University in Sudan soll zunächst lediglich der Studiengang Arabistik auf Bachelor- und Masterebene angeboten werden. Spätere Erweiterungen könnten in der Einführung der Studiengänge „Semitische Sprachwissenschaften“, der sich neben der arabischen Sprache noch mit anderen semitischen Sprachen wie Aramäisch, Äthiopisch oder Hebräisch beschäftigen würde, und „Sprachwissenschaften der islamischen Kulturwelt“, der neben Arabisch hauptsächlich noch Sprachen wie z.B. Farsi oder Osmanisch behandeln würde, bestehen.

Sämtliche Fächer dieser Fachgruppe würden sich von ihrer Ausrichtung her als primär sprach- und literaturwissenschaftliche verstehen, d.h. sie würden in Analogie zu Fächern wie Germanistik, Anglistik oder Romanistik stehen. Allerdings soll dabei auch die landes- und religionskundliche Komponente eine gewisse Rolle spielen.

Die Einrichtung eines Studienganges Arabistik in Parallele zu den anderen sprachwissenschaftlichen Studiengängen im Bereich der europäischen und afrikanischen Sprachen kommt hierbei der in der arabischen Welt allgemein verbreiteten und von der sudanesischen Regierung offiziell unterstützten Bewegung der „Arabisierung“ entgegen. Hiermit würde die Nihal European University in Sudan ihre Achtung gegenüber der arabischen Kulturwelt zeigen, während die Nichteinrichtung eines derartigen Studienganges die Gefühle in der arabischen Welt verletzen und die Universität u.U. sogar wie einen europäischen Fremdkörper im Sudan erscheinen lassen könnte. Die Einrichtung läßt sich aber nicht nur durch politische Gründe rechtfertigen, sondern allein die kulturelle Bedeutung der arabischen Sprache scheint die Existenz dieser Fachrichtung in Forschung und Lehre einer Universität, die wie die Nihal European University in Sudan im arabischen Kulturbereich beheimatet ist, notwendig werden zu lassen.

 

β) Studienaufbau und Studienschwerpunkte

Beim Studienfach Arabistik handelt es sich, wie bereits erwähnt, um einen vorwiegend sprach- und literaturwissenschaftlichen Studiengang. Dieser beinhaltet vom Sprachspektrum her neben der Auseinandersetzung mit dem formalen Neuhocharabisch und dem im Koran verwendeten Klassischen Arabisch auch die mit den verschiedenen arabischen Dialekten. Denn bei der arabischen „Hochsprache“ handelt es sich um eine Schriftform, die in der Regel nicht für den täglichen Gebrauch verwendet wird. Bei diesem werden v.a. die lokalen Dialekte benutzt, die v.a. auch aufgrund der lokal verschiedenen nicht-arabischen Einflüsse stark voneinander abweichen können. So gibt es z.B. gerade im Sudan viele Mischformen zwischen Arabisch und afrikanischen Sprachen.

Gleichzeitig sollen die Studiengänge des Faches Arabistik eine starke landes- und religionskundliche Komponente beinhalten, die im landeskundlichen Bereich nicht nur den Sudan allein, sondern den gesamten arabischen Raum mit seiner Geschichte und Kultur beinhaltet und sich im religionskundlichen Bereich insbesondere dem Islam und seiner Kulturgeschichte widmet.

 

Das Hauptfach

Die Studenten müssen neben Kursen zur Festigung ihrer Kenntnisse im Neuhocharabischen Kurse zu mindestens zwei arabischen Dialekten belegen. Hierbei sollte einer zu den Dialekten arabischer Minderheiten im Sudan und einer zu den außerhalb des Sudan gesprochenen gehören. Das Studium weiterer arabischer Dialekte ist optional.

Das Studium besteht aus folgenden allgemeinen Pflichtveranstaltungen:

  • Einführung in die Arabistik
  • Phonetik und Phonologie
  • Morphologie und Syntax
  • Semantik
  • Lexikologie
  • Soziolinguistik
  • Ethnolinguistik
  • Praktikum
  • Feldforschung
  • Geschichte des Sudans und der arabischen Welt
  • Auswirkungen von Sprachkontakten auf die arabische Hochsprache und die Dialekte
  • Islamkunde
  • Mündliche Literatur

 

Die sprachliche Ausbildung in den gewählten Dialekten findet in Kursen statt, die folgendes beinhalten:

  • Grundkurs
  • Vertiefungskurs
  • Grammatik
  • Wortschatz
  • Konversation
  • Praktische Grundlagen
  • Landeskunde

 

Das Hauptfach Arabistik kann zum Beispiel mit Nebenfächern aus der Ökonomisch-soziologischen Fakultät oder dem Fachbereich für Medienwissenschaften und Kommunikationsdesign, aber auch mit dem Nebenfach Afrikanistik kombiniert werden.

 

Das Nebenfach

Das Nebenfach Arabistik kann im Prinzip mit allen angebotenen Fächern kombiniert werden, wobei hier ein besonderer Anreiz für nicht-arabische Studenten bestünde, die ihr späteres Berufsfeld in bzw. im Kontakt mit der arabischen Welt suchen wollen.

 

γ) Fachliche Schwerpunkte

Die Fachgruppe Semitische Sprachen der Nihal European University in Sudan will neben der allgemeinen Beschäftigung mit arabischer Sprache, Literatur und Kultur insbesondere auch einen Ort der Wissenschaft für die Erforschung von arabischen Dialekten schaffen und deren Dokumentation und Archivierung fördern. Ein Schwerpunkt liegt hierbei bei der Erforschung der Dialekte von arabischen Minderheiten wie z.B. bestimmter Beduinenstämme. Folgende Forschungsschwerpunkte werden angestrebt:

  • Spracherforschung
  • Sprachdokumentation; Erstellung von Korpora; Klassifikation der Sprachen; weitere Klärung der Sprachsituation
  • Spracherhaltung
  • Feldforschung; Datensammlung; direkte Interviews mit Muttersprachlern im Staat Khartum, von denen viele infolge von Migration dort ansässig geworden sind
  • Sprachkontakte; Sprachwandel; Einfluß lokaler Sprachen auf die arabischen Dialekte; Sprachkontaktphänomene zwischen sudanesischen Dialekten und Kulturkontakte zwischen den im Sudan beheimateten Kulturen; Geschichte und Islamisierung des Sudan; Migration; geographische Verteilung der Dialekte
  • Soziolinguistik
  • Ethnolinguistik
  • Mündlich überlieferte Literatur; Dokumentation des Sudan durch Poesie, Prosa, Drama, Trommelsprache und Volksmusik; Niederschrift und Schaffung von Textsammlungen einheimischer Literatur; Übersetzung von bereits niedergeschriebenen Texten
  • Computerlinguistik
  • Tote und altertümliche Sprachen; sudanesische Kulturgeschichte und arabische Geschichte allgemein

 

Bei diesen Vorhaben wird eine starke Zusammenarbeit mit dem Institut für im Sudan beheimatete Kulturen und mit dem Institut für Kulturpluralismus und interkulturelle Kommunikation angestrebt.

 

δ) Skizzierter Bedarf an Ausstattung und Personal

Aufgrund der Daten ähnlicher Fachbereiche und Studienangebote kann davon ausgegangen werden, daß für den Lehr- und Forschungsbetrieb etwa sechs Dozenten verschiedenen Grades, vier Assistenten und für die Kurse zu den verschiedenen arabischen Dialekten etwa sieben bis zehn Lehrbeauftragte mit geringeren Deputaten benötigt werden. Der Gesamtraumbedarf dürfte bei etwa 600  liegen, wobei bei der Ausstattung die Einrichtung von einem oder zwei Sprachlaboren berücksichtigt werden sollte.

 

Die offizielle Internetpräsenz dieses Projektes finden Sie unter http://www.nihal.org.

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