Dr. Christian A. Caroli – د. كْرِسْتْيَان أ. كَارُلِي

Die Nihal European University in Sudan

Konzept zur Gründung einer europäischen Universität im afrikanisch-arabischen Raum – Die Nihal European University in Sudan (Coverbild)

Planungskommission der Nihal European University in Sudan (Hrg.):

Konzept zur Gründung einer europäischen Universität im afrikanisch-arabischen Raum – Die Nihal European University in Sudan (dt./engl.)
 

Konstanz 2007 (badawi - artes afro arabica)
 

Umfang: 119 Seiten dt. + 113 Seiten engl. • Format: 21 x 14,8 cm (A5) • ISBN 13: 978-3-938828-16-8

Preis (bis 10/2015): EUR 24,99 (inkl. 7% MwSt.) • Preis (ab 11/2015): EUR 14,95 (inkl. 7% MwSt.)

 

 

Konzept – Teil D: Einrichtungen, Verfassung und Organe der Nihal European University in Sudan

I.) Fakultäten und Fachbereiche

a) Geisteswissenschaftliche Fakultät

5.) Der Fachbereich Sprachwissenschaften, Fachgruppe Afrikanische Sprachen
α) Profil

Sehr wenige Länder weisen eine so große Vielfalt an gesprochenen Sprachen auf wie der Sudan. Die Anzahl der im Sudan gesprochenen Sprachen und Dialekte ist nicht genau festgelegt. Es sind um die 142 Sprachen (Dialekte nicht eingeschlossen). Viele Sprachen sind im Großraum Khartum durch die Migration und vielen Flüchtlinge und Einwanderer vertreten.

Die Sprachsituation im Sudan ist nicht gut definiert und unterliegt einem ständigen Wandel. Sie ist durch Vielfältigkeit und Komplexität charakterisiert. Diese Komplexität kann auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden. Zum einen auf die weit verbreitete Migration von Sprachen von verschiedenen Ursprüngen und Kulturen. Zum anderen kann sie mit der geographischen Verteilung, der Vermischung von Sprachen, sowie dem Gebrauch von Arabisch in Verbindung gebracht werden.

Dieser Sprachenreichtum der Region sowie der bestehende politische Wandel im Sudan, welcher immer mehr Gelehrten erlaubt, die Sprachen zu erforschen, stellt für Linguisten eine ideale Voraussetzung zur Erforschung der vielfältigen sprachlichen Phänomene dar. Dennoch sind viele dieser Sprachen wenig erforscht und zum größten Teil undokumentiert.

Sowohl die sudanesische Regierung als auch die allgemeine Öffentlichkeit im Sudan entwickeln eine wachsende Wahrnehmung des Sprachpluralismus und der kulturpluralistischen Natur des Sudan. Als Ergebnis erlangen die lokalen Sprachen des Sudan immer mehr offizielle Aufmerksamkeit.

Mit dem Aufbau einer Fachgruppe für Afrikanische Sprachen wird die Nihal European University in Sudan ein neues Paradigma für Forschung und Lehre setzen. Die Fachgruppe fokussiert insbesondere afrikanische Kulturen im Sudan, sowie die sprachlichen und kulturellen Kontakte zu afrikanisch kultivierten Nachbarländern. Es werden beschreibende Studien einzelner Sprachen und vergleichende Studien mehrerer Sprachen angestrebt. Sie können einem der drei Bereiche zugeordnet werden:

  • Einheimische / Ursprachen
  • Fremd- / Einwanderersprachen
  • Kreolsprachen

 

Forschung und Lehre legen den Schwerpunkt auf im Sudan beheimatete Sprachen, die nicht bzw. nicht vorwiegend den semitischen Sprachen angehören. Neben deren Literaturen spielen die Bereiche Geschichte und Kultur ebenfalls eine Rolle. Sprache und Kultur verschiedener ethnischer Gruppen und Stämme werden vergleichend betrachtet. Dabei sind Sprachen aus jeder Himmelsrichtung des Landes vertreten:

  • Sprachen des Nordsudan und angrenzender Gebiete:
    Nubi-Sprachen, Kordofanische Sprachen
  • Sprachen des Ostsudan und angrenzender Gebiete:
    Amharisch, Tigrinya, Beja
  • Sprachen des Südsudan und angrenzender Gebiete:
    Swahili, Dinka, Nuer, Shilluk, Zande, Nilotische Sprachen
  • Sprachen des Westsudan und angrenzender Gebiete:
    Hausa, Fursprachen, Mabansprachen, Nubawi-Sprache

 

β) Studienaufbau und Studienschwerpunkte

Der Bachelorstudiengang „Afrikanistik“ vermittelt grundlegende Fachkenntnisse der Afrikanistik, eine solide Ausbildung in einer modernen afrikanischen Verkehrssprache und einer weiteren afrikanischen Sprache, einen kulturwissenschaftlichen und historischen Hintergrund, sowie analytische Fähigkeiten.

 

Das Hauptfach

Die Studenten müssen zwei obligatorische Sprachen belegen, davon eine afrikanische Fremdsprache des Sudan und eine einheimische / Ursprache des Sudan. Eine dritte afrikanische Sprache ist optional.

Folgende Sprachen sollen zur Wahl stehen:

  • Fremdsprachen:
    Amharisch, Hausa, Swahili, Tigrinya, Alt-Äthiopisch
  • Einheimische Sprachen:
    Beni Aamir, Beja, Dinka, Fur, Masalit, Nuer, Sheluk, Zande

 

Das Studium besteht aus folgenden allgemeinen Pflichtveranstaltungen:

  • Einführung in die Afrikanistik
  • Phonetik und Phonologie
  • Morphologie und Syntax
  • Semantik
  • Lexikologie
  • Soziolinguistik
  • Ethnolinguistik
  • Praktikum
  • Feldforschung
  • Geschichte des Sudan und Afrikas
  • Sprachkontakt in Sudan und Afrika
  • Mündliche Literatur

 

Die sprachliche Ausbildung in den gewählten Sprachen findet in Kursen statt:

  • Grundkurs
  • Aufbaukurs
  • Vertiefungskurs
  • Grammatik
  • Wortschatz
  • Konversation
  • Praktische Grundlagen
  • Landeskunde

 

Das Hauptfach Afrikanistik kann zum Beispiel mit Nebenfächern aus der Ökonomisch-soziologischen Fakultät oder dem Fachbereich für Medienwissenschaften und Kommunikationsdesign kombiniert werden.

 

Das Nebenfach

Das Nebenfach Afrikanistik kann zum Beispiel in Kombination mit dem Hauptfach Arabistik oder Umwelttechnik kombiniert werden.

 

γ) Fachliche Schwerpunkte

Die Fachgruppe Afrikanische Sprachen der Nihal European University in Sudan schafft einen Ort der Wissenschaft für die Erforschung von afrikanischen Minderheitssprachen und fördert deren Dokumentation und Archivierung. Folgende Forschungsschwerpunkte werden angestrebt:

  • Spracherforschung
  • Sprachdokumentation; Erstellung von Korpora; Klassifikation der Sprachen; weitere Klärung der Sprachsituation
  • Spracherhaltung
  • Feldforschung; Datensammlung; direkte Interviews mit Muttersprachlern im Staat Khartum, von denen viele infolge von Migration dort ansässig geworden sind
  • Sprachkontakte; Sprachwandel; Einfluß des Arabischen auf afrikanische Ursprachen; Kreolsprachen; Sprachkontaktphänomene zwischen sudanesischen Sprachen und Kulturkontakte zwischen den im Sudan beheimateten Kulturen; Geschichte und Islamisierung des Sudan; Migration; geographische Verteilung der Sprachen
  • Soziolinguistik
  • Ethnolinguistik
  • Mündlich überlieferte Literatur; Dokumentation des Sudan durch Poesie, Prosa, Drama, Trommelsprache und Volksmusik; Niederschrift und Schaffung von Textsammlungen einheimischer Literatur; Übersetzung von bereits niedergeschriebenen Texten
  • Computerlinguistik
  • Tote und altertümliche Sprachen; sudanesische Kulturgeschichte und afrikanische Geschichte allgemein

 

Bei diesen Vorhaben wird eine starke Zusammenarbeit mit dem Institut für im Sudan beheimatete Kulturen und mit dem Institut für Kulturpluralismus und interkulturelle Kommunikation angestrebt.

 

δ) Skizzierter Bedarf an Ausstattung und Personal

Aufgrund der Daten ähnlicher Fachbereiche und Studienangebote kann davon ausgegangen werden, daß für den Lehr- und Forschungsbetrieb etwa sechs Dozenten verschiedenen Grades, vier Assistenten und aufgrund der Vielfalt der in Betracht kommenden Sprachen etwa sieben bis zehn Lehrbeauftragte mit geringeren Deputaten benötigt werden. Der Gesamtraumbedarf dürfte bei etwa 600  liegen, wobei bei der Ausstattung die Einrichtung von einem oder zwei Sprachlaboren berücksichtigt werden sollte.

 

Die offizielle Internetpräsenz dieses Projektes finden Sie unter http://www.nihal.org.

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