Dr. Christian A. Caroli – د. كْرِسْتْيَان أ. كَارُلِي

Die Nihal European University in Sudan (Version 2007)

Bedarf & Ziele

Bedarf

Generell besteht im Sudan ein großer Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften und Wissenschaftlern in verschiedenen Bereichen, sei es beispielsweise im Bildungssektor (z.B. in der Ausbildung von Lehrkräften), sei es im betriebs- und agrarwissenschaftlichen und technologischen oder im kulturwissenschaftlichen Bereich.

Um nur einige konkrete Beispiele zu nennen:

  • Aufgrund der lokalen Besonderheiten, die sich in Zusammenhang mit den Erdölvorkommen im Norden des Landes und deren Nutzung im ganzen Sudan ergeben – momentan wird eine Pipeline von Norden nach Süden gebaut –, braucht das Land dringend Fachkräfte, die der technologischen, v.a. auch der umwelttechnologischen, Herausforderung dieser Nutzung gewachsen sind. Weiterhin lassen sich als Konsequenz der sich im Aufschwung befindlichen Wirtschaft weitere Probleme, wie z.B. die weithin unkontrollierte Müllverbrennung, beobachten, die dringend einer Antwort in Form der Schaffung eines ökologischen Bewußtseins und praktischer Lösungen bedürfen.
  • Was die kulturwissenschaftlichen Interessen anbelangt, ist der Sudan reich an archäologischen Herausforderungen. Als Beispiel läßt sich hier die aktuelle Forschung rund um die Stadt Meroe, die rund 220 km nördlich von Khartum liegt, anführen. Hier wäre u.a. eine Kooperation mit dem Deutschen Archäologischen Institut in Berlin denkbar, das sich schon vor Ort mit den Königlichen Bädern von Meroe, die als herausragendes Zeugnis eines Kulturtransfers gelten, beschäftigt hat.

 

Ziele

Mit der Gründung einer europäischen Universität im Großraum der sudanesischen Hauptstadt sollen unterschiedliche Ziele verfolgt werden, sowohl ideeller als auch praktischer Art.

Das Leitbild der Universität orientiert hierbei sich an folgenden Punkten:

  • Leistung kultureller Entwicklungshilfe: Es soll die Bildung geistiger Eliten gefördert werden, die sich im internationalen Wettbewerb behaupten können.
  • Etablierung eines Forums des Pluralismus der im Sudan angesiedelten Kulturen und Religionen: Intellektuell begabte Menschen sollen mit der Anerkennung des weltanschaulichen Pluralismus und der Toleranz vertraut gemacht werden.
  • Ausbildung von hochqualifizierten Fach- und Führungskräften, welche die Herausforderungen der aktuellen Entwicklungen aufgreifen können.
  • Angebot eines differenzierten Stipendienprogramms zur Förderung von qualifizierten Studierenden und zur Rekrutierung der besten Schulabsolventen, wobei hier gezielt auch begabte junge Menschen aus armen und unterprivilegierten Familien unterstützt werden sollen, für die ein Studium sonst nicht erschwinglich wäre.
  • Etablierung neuer Formen der Zusammenarbeit zwischen dem Sudan und den Ländern Europas (insbesondere Deutschland) in Bildung und Forschung.

 

Die zu gründende europäische Universität versteht sich dezidiert als Alternative zu den bereits bestehenden sudanesischen Universitäten, indem sie sich – erstens – eine europäische, v.a. deutsche, Konzeption und Strukturierung der Fakultäten und europäisches Know-how in Form von Personal und curricula zu Nutze macht und – zweitens – indem sie mit Hilfe des Stipendienprogramms auch für Schulabsolventen aus armen Familien die Möglichkeit einer universitären Ausbildung schafft. Bislang ist der Zugang zu einer höheren Bildung, erst recht zur universitären Bildung, im Sudan in sehr hohem Maße daran gekoppelt, inwieweit die Familie ihre Kinder in dieser Hinsicht finanziell unterstützen kann. Die teilweise horrenden Studiengebühren an den lokalen Universitäten sind nur für einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung erschwinglich. Diese soziale Benachteiligung soll ein Stück weit aufgebrochen werden. In diesem Zusammenhang ist weiterhin an eine Zusammenarbeit der Universität mit bereits auf einem Teil des Universitätsgeländes bestehenden und mittelfristig noch neu zu gründenden Schulen gedacht.

 

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